![]() Name der Publikation PROPOSITUM Band 10 - Nr. 1 - Juni 2007 |
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Die bemerkenswerten Ursprünge der Lebensregel
des Dritten Regulierten Ordens
Schwester Nancy Celaschi, OSF
Aufgerufen zum Heilen: Der interreligiöse Dialog
in der TOR-Tradition
Schwester Margaret Carney, OSF
Der interregliöse Dialog und das Ordensleben
Fr. Elias D. Mallon, SA
Ein aufruf, um Friedensstifter zu Sein das
Franziskanische Leben in der Sendung:
Schwester Violet Grennan, MFIC
Der Lateinamerikanische Umweltschutz und die
Franziskanische Vision Des Kosmos
Prof.Ricardo Antonio Rodrigues
Die “Franciscan Clarist Congregation” bei den Armen in Kenia
Schwester Mello, FCC
Die Bedeutung der franziskanischen Spiritualität in der Zukunft
Neue Lebensformen (neue Ausdrucksformen) in der
franziskanischen Spiritualität (Geschriebenen Artikel)

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil forderte die Kirche alle Ordenskongregationen auf, eine radikale Erneuerung des Ordenslebens vorzunehmen. Die Ordenskongregationen begannen also, zu ihren authentischen Quellen, dem Evangelium und dem Geist der Gründer/Gründerinnen zurückzukehren. Die Dokumente des Konzils, besonders die Konstitution Lumen gentium und der Erlaß Perfectae caritatis, unterstützten noch die Forderungen der Kirche. Im Dritten Regulierten Orden des hl. Franziskus begann man auch darüber nachzudenken, dass die von Papst Pius XI. im Jahre 1927 verkündete Regel nicht mehr zeitgemäß war. Nachdem sich die TOR - Brüder und - Schwestern unermüdlich um eine Änderung bemüht hatten, erlebten sie endlich am 8. Dezember 1982 die große Freude, dass Papst Johannes Paul II. die “Lebensregel” billigte. Sie waren sich ihrer besonderen Rolle in der Kirche bewußt, nämlich, dass sie durch ihr Zeugnis zur Einrichtung des Gottesreichs beitragen mußten.
Wir widmeten die letzte Ausgabe von Propositum den Vorbereitungen für die 800- Jahresfeier der Geburt der hl. Elisabeth von Ungarn am 17. November 2007. In diesem Jahr gilt unsere Aufmerksamkeit aber auch einem anderen wichtigen Ereignis, nämlich dem 25. Jahrestag der Billigung der “Lebensregel der Brüder und Schwestern des Dritten Regulierten Ordens des hl. Franziskus”. Die Feier des Jubeljahrs veranlaßt uns, über die vergangenen Jahre nachzudenken, diese zu bewerten und dann mit neuen Träumen nach vorne zu schauen, um unserem franziskanischen Charisma des Dritten Regulierten Ordens neues Leben einzuhauchen. Gott überschüttete uns mit unzähligen Gnadengaben in der Person des hl. Franziskus und seinen Anweisungen, vor allem aber mit den Werten: Bekehrung, Kontemplation, Armut und Mindersein. Wir sind aufgerufen, der Regel und ihrem Geist gemäß in Glauben und Dankbarkeit zu leben und für Solidarität und Frieden unter uns, in unseren franziskanischen Familien, in der ganzen Welt und besonders unter den Armen und Notleidenden zu sorgen. Unsere Präsenz in der Welt muss neues Leben, neue Bedeutung, Ermutigung und Hoffnung für alle bringen.
Im ersten Artikel dieser Ausgsabe konzentriert sich Schwester Nancy Celaschi, OSF, auf die bemerkenswerten Anfänge der TOR – Lebensregel und blickt mit uns zurück auf die Reise, die unsere Vorgänger im Laufe der Jahrhunderte zurücklegten, wie auch auf den Prozess, den unsere eigene Generation erlebte. Schwester Margaret Carney, OSF, denkt über den interreligiösen Dialog im Sinne der TOR – Tradition nach und beschäftigt sich mit den Werten Bekehrung, Kontemplation, Mindersein und Armut. Sie ist davon überzeugt, dass dies für uns einen Aufruf zum Heilen bedeutet. Pater Elias D. Mallon, SA, denkt über den interreligiösen Dialog und das Ordensleben nach. Er ist davon überzeugt, dass der Dialog zum Zeugnis gehört, das Religiose und alle Christen für die grenzenlose Liebe Christi ablegen. Aus der Sicht von Schwester Violet Grennan, MFIC, ist der Ruf, Friedensstifter in unserer Welt zu sein, eine lebenslange Reise auf dem Weg, den “Frieden zu verkörpern”. Diese Reise beginnt in uns selbst. Wir freuen uns, dass wir euch die Studie und Reflektion von Professor Ricardo Antonio Rodrigues über Umweltschutz in Lateinamerika und die damit verbundene franziskanische Weltanschauung bringen können. Ihm zufolge kann uns die auf der franziskanischesn Spiritualität aufbauende Schöpfungsmystik zu einer neuen und weisen eigenen Nachhaltigkeit führen. Schwester Mello, FCC, erzählt uns von dem selbstlosen und voller Freude verrichteten Dienst, den die Franciscan Clarist Sissters bei den vergessenen, unversorgten, unausgebildeten und notleidenden Menschen in Kenia verrichten. Wir haben hier einen gemeinsam von Schwester Maria Stella Carta, SSM, Tibor Kauser, SFO, und Bruder Xavier Anthony, CMSF, geschriebenen Artikel. Alle drei denken über die Bedeutung franziskanischer Spiritualität in der Zukunft nach und schlagen einige neue Wege vor, um in ihr zu leben.
Meine aufrichtige Dankbarkeit geht an alle, die Material für Propositum beisteuerten!
Pax et bonum.
Schwester Daria Koottiyaniel, FCC
Schwester Nancy Celaschi, OSF
Während wir die Feier zum 25. Jahrestag der Lebensregel der Brüder und Schwestern des Dritten Regulierten Ordens des hl. Franzisikus vorbereiten, sollten wir einen Blick zurück auf die Reise werfen, die unsere Vorväter im Verlaufe der Jahrhunderte machten und auch auf den Vorgang, der unsere eigene Generation vor gerade einigen Jahre betraf. Genauso einzigartig wie der Dritte Regulierte Orden ist auch unsere Lebensregel in der Geschichte des religiösen Lebens.
Das Zweite Vatikanische Konzil forderte die Orgensleute auf, ihre Lebensform zu erneuern und zu aktualisieren, indem sie zu dem ursprünglichem Charisma ihrer religösen Institute zurückgingen und anschließend ihren Lebensstil den Bedürfnissen der heutigen Kirche und Welt anpaßten. Jeder nahm an diesem Erneuerungs- und Aktualisierungsprozeß teil, einige eher widerwillig, andere mit mehr oder weniger Begeisterung. Die Ordensleute des Dritten Regulierten Ordens, Männer wie Frauen, nahmen natürlich auch an diesem Prozeß teil.
Die meisten Kongregationen unseres Ordens beschäftigten sich mit ihrer Geschichte, und ließen sich von ihr einige Jahrhunderte zu ihrem Gründungscharisma zurückführen: es war eine Zeit der großen Entdeckungen, als die Gestalten dieser bemerkenswerten Männer und Frauen aus dem Schatten der Geschichte oder selbst aus völliger Anonymität heraustraten. Alle diese Gestalten hatten sich von dem hl. Franziskus von Assisi inspirieren lassen und kannten sich in der franziskanischen Spiritualität aus, die ihrerseits von dem jeweiligen sozialen und kirchlichen Kontext gefärbt war, in dem sie lebten. Die Franziskaner des Dritten Regulierten Ordens hatten dabei die nicht unbedeutende Aufgabe, die zwei Gründungscharimen - das ihrer Kongregation und das der franziskanischen Bewegung, zu der sie gehörten - zu vereinen.
Das alles wurde noch komplizierter dadurch, dass die damals gültige Regel des Dritten Regulierten Ordens des hl. Franziskus, die 1927 ausdrücklich mit dem Ziel gebilligt worden war, eine Regel zu geben, in der die Abänderungen im Ordensleben möglich wurden, welche durch die Kirchenrechtsreform von 1917 notwendig geworden waren. Wir lesen in der Einleitung: “Es war notwendig geworden, das Gesetz von Papst Leo X. unseren Zeiten und den kürzlich erfolgten Erlässen der Kirche anzupassen, so dass die Angehörigen des Dritten Regulierten Ordens und die vielen anderen Ordensfamilien mit einfachen Gelübden, die auf dem Geist des hl. Franziskus günden, den franziskanischen Namen benutzen und den hl. Franziskus als ihren Vater sehen, weiterhin von der Kirche und dem Staat lobenswerte Anerkennung für ihre Arbeit bekommen”. Zum erstenmal billigte und regelte der Codex offiziell das Leben einer Gruppe, die in apostolischen Kongregationen als “Religiose” bekannt waren. Diese Ordensleute, Männer wie Frauen, legten einfache ewige Gelübde ab und behielten das Recht auf Eigentum, auf das sie übrigens nicht verzichten konnten.
Die Regel aus dem Jahre 1927 ersetzte also die Regel von Leo X., die 1521 gebilligt worden war. In der Einleitung zu diesem Dokument lesen wir, dass der Zweck der “neuen” Regel sein sollte, das Leben des Dritten Regulierten Ordens an die von dem Fünften Lateranischen Rat durchgeführten Reformen anzupassen.
Die Regel von Leo X. war jedenfalls die erste Regel, die wirklich nur für die Religiosen des Dritten Regulierten Ordens bestimmt war und nur für diese Religiosen ersetzte sie die Regel von Nickolaus VI., Jerome von Ascoli, dem ersten franziskanischen Papst und ehemaligen Generaloberen der Mönche aus dem Jahre 1289. Diese Regel war im Grunde eine Abänderung des Memoriale Propositi aus dem Jahre 1221 und diente weiterhin allen Brüdern und Schwestern des Bußordens, das heißt, für die Säkularen wie auch für alle Gruppen, die damals schon in einer Gemeinschaft lebten. Was wäre wohl aus dem Säkularen Franziskanischen Orden heute geworden, wenn er bis zu den Tagen des Zweiten Vatikanischen Konzils die Regel von Nickolaus IV. befolgt hätte?
Ein anderer Faktor, der in unserer kurzen Studie berücksichtigt werden muss, sind die großen Schritte, die die franziskanischen Studien im 19. und 20. Jahrhundert zurückgelegt haben. Die wissenschaftliche Forschung in Bibliotheken und Manuskriptsammlungen in ganz Europa hatte der franziskanischen Welt eine Anzahl von Texten aus der intellektuellen Bewegung verschafft. Bei den neu entdeckten Schriften handelte es sich um heute wohl bekannte Texte, wie die Legende von Perugia, die Werke von Thomas von Celano und den Missor perfectionae, um nur einige der Texte zu nennen, anhand derer man anfing, einige der nachhaltigen Bilder von dem hl. Franziskus, die durch Bonaventura oder die Fioretti bekannt geworden waren, in Frage zu stellen. Als kritische Ausgaben dieser Werke erschienen und man die Techniken der Bibelforschung auf die franziskanischen Texte anwandte, wurden neue Texte sichtbar. Gleichzeitig bekamen wir durch die Historiker ein besseres Verständnis vom Mittelalter im allgemeinen und dem Leben in Assisi zur Zeit des hl. Franziskus im besonderen.
Unsere Brüder und Schwestern, die in den siebziger Jahren die Aufgabe hatten, ihre Konstitutionen neu zu schreiben und ihren Lebensstil dem ursprünglichen Charisma anzupassen, hatten es nun mit einem völlig neuen verschiedenen Verständnis dieses Charisma zu tun. Viele unter ihnen wollten eine neue Regel haben, die die Regel von Pius XI. ersetzte und sowohl das Gründungscharisma wie auch das franziskanische Verständnis von einer Lebensregel besser ausdrücken konnte. Mehrere Gruppen Franziskaner/innen aus dem Dritten Orden begannen also, Entwürfe für eine neue Regel auszuarbeiten, einige taten das alleine, andere in interkongregationalen Gruppen auf regionaler oder nationaler Ebene.
“Richtig lustig” wurde es, als die verschiedenen Gruppen darüber sprachen, ihre “Regeltexte” zur kirchlichen Billigung vorzulegen. Diskret geführte Nachfragen ergaben, dass das universale Lehramt der Kirche es nicht gerne sah, dass mehrere Kongregationen, die eigentlich einen einzigen Orden im Schoße der Kirche darstellten, eine ganze Reihe von verschiedenen Entwürfen vorlegten. Dazu kam die Tatsache, dass unter diesen Gruppen mit besonderen Regeltexten auch die Spitzen internationaler Kongregationen zu finden waren und die sich ergebende “Vielfalt” verschiedener TOR-Regeltexte innerhalb eines geographischen Gebiets die Einheit im Orden ungünstig beeinflussen würde. Diejenigen, die in Rom nachfragten, wurden ermutigt, nur einen einzigen Text im Namen des ganzen Dritten Regulierten Ordens vorzulegen, der dann in Rom wohlwollend Aufnahme erfahren würde. Einigen von uns erschien das eine unmögliche Aufgabe zu sein, genauso unmöglich, wie die Aufgaben in einem Märchen der Brüder Grimm oder die Heldentaten in der griechischen Mythologie.
Es heißt aber: “Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg” und der Wille war gewiß gegeben. Die gleiche Energie, die in die Anpassung und Erneuerung des Ordenslebens floß, wurde auch dem gewidmet, das bald unter dem Namen “das Regelprojekt” bekannt wurde. Eine weitere Hilfe war die Tatsache, dass sich die höheren Oberen in nationalen und internationalen Konferenzen zusammengeschlossen hatten und es zum erstenmal leichter war, über Grenzen und Ozeane hinweg miteinander in Kontakt zu sein. Die höheren Oberen, die sich bereit erklärt hatten, sich voll und ganz einzusetzen, sahen sich vor einer geradezu beängstigenden Aufgabe, aber nichts konnte sie abschrecken. Sie richteten eine Struktur auf drei Ebenen ein, das Internationale Franziskanische Büro (das B.F.I., in dem die höheren Oberen saßen, die die verschiedenen Erdteile vertraten), den Internationalen Franziskanischen Ausschuss (Im K.F.I. waren die Spitzen der verschiedenen nationalen oder regionalen interfranziskanischen Gruppen vertreten) und die Arbeitsgruppe, in der Brüder und Schwestern mit unbändigem Interesse und einigen Sachkenntnissen in diesem Bereich saßen, die die Aufgabe hatten, den Text auszuarbeiten. Man bat sie, einen neuen Text vorzubereiten und keinen der schon vorliegenden Texte wieder herauszuholen. Man entschied damals auch, dass man so “zeitlos” wie möglich sein wollte und die neuen Texte deshalb auf den Schriften des hl. Franziskus selbst aufbauen sollten und hoffte damit, dass zukünftige Generationen, die eine Anpassung vornehmen müßten, in der Lage wären, in den Worten des hl. Franziskus die ihnen notwendige Inspiration zu finden.
Eine erste internationale Beratung zeigte, dass vier Elemente grundlegend für unseren franziskanischen Lebensstil waren, obwohl die verschiedenen Gruppen diese Elemente verschieden benannten. Diese vier wesentlichen Elemente waren: Buße oder metanoia, Gebet oder Kontemplation, Demut oder Mindersein und Armut. Diese Elemente mußten die Tragpfeiler der neuen Regel sein: die Baumaterialien waren die Schriften des hl. Franziskus und der frühen Franziskaner.
Die Arbeitsgruppe traf sich zweimal, erst in Reute, Deutschland, und dann in Brüssel, Belgien. Nach jeder Arbeitssitzung kamen Mitglieder von BFI herein, denen sie ihre Arbeit vorstellten. Diese Entwürfe wurden dann unter den Gesprächsrunden und nationalen Organisationen zur Beratung mit der Mitgliedschaft herumgereicht. Wir lesen, dass der erste Entwurf an 205 Kongregationen, 16 Provinzen internationaler Kongregationen und die Forschungskommittees von zwei Verbänden ging und viele Antworten in 10 verschiedenen Sprachen aus dreißig Ländern zurückkamen. 105 Kongregationen billigten den Text, so wie er vorlag, eine Anzahl schlug Abänderungen vor und nur wenige lehnten den Text völlig ab, der schlussendlich den höheren Oberen zur offiziellen Billigung während der Generalversammlung in Rom 1981 vorgelegt und ohne Gegenstimmen angenommen wurde. Nebenbei sei bemerkt, dass diese Versammlung auch zustimmte, den Prozeß, der begonnen worden war, um die Lebenregel auszuarbeiten, weiterzuführen und so die Grundlage für die spätere Internationale Konferenz der Brüder und Schwestern des Dritten Regulierten Ordens des hl. Franziskus, nämlich IFK-TOR, legte.
Da die Lebensregel so weit wie möglich den Worten des hl. Franziskus folgte, gab es kein besonderes Kapitel über die Keuschheit - eine Tatsache, die schon während der Versammlung in Rom für unterschwellige Spannungen gesorgt hatte. Hier muss angemerkt werden, dass eine der wichtigen Einsichten der Theologie des Ordenslebens des Zweiten Vatikanischen Konzils die war, dass das identifizierende Element und zentrale Gelübde für Ordensleute “die Keuschheit um des Reiches Gottes willen” ist. Diejenigen, die die Lebensregel zur offiziellen Billigung vorlegen mußten, entschieden, dass es am besten wäre, ein Kapitel über die Armut zu haben und dass das Kapitel über die Keuschheit von einer anderen “Hand” geschrieben werden sollte. Dieses Kapitel, das auch die allerseligste Jungfrau Maria erwähnt, wurde später das vierte Kapitel in unserer Lebensregel.
Zur Billigung der Lebensregel durch Papst Johannes Paul II. hatte man das Datum vom 8. Dezember 1982 gewünscht – der 8. Dezember, der Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariae und das Jahr 1982, das Jahr, in dem die weltweite franziskanische Familie den 800. Jahrestag der Geburt des hl. Franziskus von Assisi feierte.
Als der Heilige Stuhl die Regel billigte, wurde diese von dem apostolischem Breve begleitet, das so beginnt: “Franciscanum vitae Propositum”, das franziskanische Lebensideal, das “selbst in unserer Zeit fortwährend Männer und Frauen anzieht, die den Wunsch nach evangelischer Vollkommenheit in sich tragen und nach dem Reich Gottes dürsten.” Das Breve erwähnt danach die öffentliche Profess der evangelischen Räte, die apostolische Aktivität und das Gebet, die geschwisterliche Liebe, Buße und christliche Selbstverleugnung. Das von dem Heiligen Vater unterzeichnete Breve spricht dann von den vorhergegangenen Regeln von Leo X. und Pius XI. Etwas ganz Neues finden wir jedoch im dritten Absatz des Breve, in dem erwähnt wird, dass der Pontifex weiß, “wie fleißig und unverdrossen diese Lebensregel ihren Weg des ‘aggiornamento’ zurücklegte und wie man dann durch kollegiale Diskussion und Beratung, Vorschläge und aufmerksame Abänderungen zur gewünschten Konvergenz bei den verschiedenen Standpunkten gelangte”. Es wird nicht versucht, die Geschichte der verschiedenen Standpunkte, der kollegialen Diskussionen und Beratungen zu verschweigen. Man muss hier hervorheben, dass dieses Dokument, unsere Lebensregel, die von dem Zweiten Vatikanischen Konzil inspiriert und in Befolgung der Aufträge erfolgte, in einzigartiger und ganz neuer Weise die Kollegialität und Subsidiarität verkörperte, durch die sich dieses Konzil auszeichnete. So können auch wir zusammen mit Papst Johannes Paul II. unsere Hoffnung und das “Vertrauen ausdrücken, dass die ersehnten Früchte der Erneuerung zu voller Verwirklichung kommen”, während wir weiter leben und unsere kritische Würdigung der Lebensregel der Brüder und Schwestern des Dritten Regulierten Ordens des hl. Franziskus vertiefen.
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Schwesterr Nancy Celaschi ist Mitglied im Generalrat der Schulschwestern des hl. Franziskus, mit Hauptsitz in Rom. Sie erhielt einen Master in Franziskanischen Studien an der St. Bonaventure University in den Vereinigten Staaten, diente als Generalsekretärin von IFK-TOR von 1993-1997 und wurde 1997 zur ersten Direktorin der Abteilung für Geist und Leben ernannt. Sie übersetzte mehrere Bücher über die Geschichte von Gemeinschaften des Dritten Regulierten Ordens in die englische Sprache und unterrichtete Franziskaner/innen in Asien, Afrika, Europa und Nordamerika.

Schwester Margaret Carney, OSF
Während des Pontifikats von Johannes Paul II. erfolgte der Ruf zum interreligiösen Dialog klar und unbeirrt. Da ich am ersten Weltgebetstag für den Frieden in Assisi 1986 teilgenommen hatte, war mir die Übereinstimmung unserer franziskanischen Berufung mit dem Engagement für die Einheit der Christen und die Zusammenarbeit zwischen den Glaubensrichtungen immer als außerordentlich wichtig erschienen. Meine Teilnahme am Weltgebetstag 1986 war möglich gewesen, weil uns die Professoren im Antonianum (dort hatte ich damals gerade meine Doktoratsarbeit begonnen) die Eintrittskarten besorgt hatten und uns auch an diesem Tag bei der Teilnahme an verschiedenen Arten des Gebets begleiteten. Vor diesem bedeutenden Ereignis hatte ich schon mit Thaddeus Horgan, einem Mönch der Versöhnungskongregation, in der Internationalen Arbeitsgruppe zusammengearbeitet, die den Auftrag hatte, den Text der Lebensregel der Brüder und Schwestern des Dritten Regulierten Ordens zu formulieren. Thaddeus brachte eine reiche theologische Fachkenntnis und ein tief verwurzeltes ökumenisches Bewußtsein in die Gruppe ein. Wähend der Zeit des II. Vatikanischen Konzils war er in der Direktion des Zentrums für die Einheit der Christen tätig gewesen, das damals im Palazzo Pamphilij an der Piazza Navona untergebracht war. Dort versammelten sich die offiziellen Beobachter der christlichen Kirchen regelmäßig zum Dialog, zu theologischen Exkursen und geselligem Zusammensein. In den Jahren enger Zusammenarbeit am Text der Regel lernte ich auch, wie außerordentlich viel der franziskanische Geist zu diesem Dialog beitragen konnte. Meine in einem Institut des Dritten Regulierten Ordens gesammelten Erfahrungen, welches sich völlig der Einheitssendung verschrieben hatte, nämlich die Mönche und Schwestern der Versöhnung (Graymoor, New York) trug damals – und auch noch heute – zu dieser Wertschätzung bei.
In den vergangenen Jahren hatte ich das Privileg, an zwei franziskanischen ökumenischen Begegnungen teilzunehmen (eine in Rom und die andere in Canterbury, England), die die Generaloberen der Minderbrüder und die Mönche der Versöhnung organisiert hatten. Dieser enge Austausch zwischen franziskanischen Ordensleuten römischer, anglikanischer und lutherischer Zugehörigkeit war eine besondere Gelegenheit, die Macht des franziskanischen Charisma zu überprüfen, das über die Zuständigkeitsgrenzen, die unsere Kirchen trennen, hinausgeht.
Wenn man mich fragte, welchen Beitrag der Text unserer Lebensregel zu den Gesprächen geben könnte, antwortete ich, dass es dabei nicht darum ginge, einen “Nachweis” (d.h. einen bestimmten Texabsatz, mit dem ausdrücklich eine Verbindung oder Streitfrage bewiesen werden kann) zu erbringen, sondern dass der Beitrag eher in den grundlegenden Werten unserer Lebensregel enthalten ist, die uns einer Art des Seins in der Kirche und in der Welt des interreligiösen Austauschs gegenüber öffnen. Wir können uns gut vorstellen, dass der Aufruf zu ökumenischem Bewußtsein und Aktion in diese Richtung geht.
Bekehrung
In früheren Zeiten wurde das Ziel der katholischen Missionsarbeit im Begriff “Bekehrung” zusammengefaßt. Die Arbeit von Missionaren oder Wanderpredigern war es früher, Ungläubige oder Christen anderer Konfessionen in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zu bringen. Dieser Begriff hat heute in unserer TOR - Sprache eine reiche biblische Bedeutung. Die Bekehrung/metanoia bedeutet die tiefverwurzelte Ausrichtung unserer ganzen Menschlichkeit auf den Willen Gottes hin, um unsere Sinne, Herzen und Seelen ganz in Wissen, Liebe und Dienst zu engagieren. Sie fordert uns auf, in jedem Augenblick des Lebens zur “Umkehr” bereit zu sein, eigene Fehler und Unwissenheit zu berichtigen, indem wir in unserem Leben aufmerksam auf Gottes Willen hören. Sie fördert in uns eine Spiritualität der Aufmerksamkeit, der Bereitschaft, sich zu ändern und der demütigen Anerkennung, dass in unserem Wissen, Lieben und Dienen immer etwas unvollkommen bleibt. Diese im Laufe eines ganzen Lebens vertiefte Haltung erlaubt es uns, immer die Wahrheit, die andere Glauben für sich in Anspruch nehmen, zu achten und die Anziehungskraft und die Macht, die die anderen Glauben besitzen und ausüben, wahrzunehmen. Wir können so den Dialog aufnehmen und bereit sein, herausgefordert und sogar in Verlegenheit gebracht zu werden. So sind wir aufgerufen, bereit zu sein, unser Benehmen und unsere Einstellungen neu auszurichten und abzuändern, die ja grundlegende Vorbedingungen für den Dialog sind, und von unserem franziskanischen Engagement in unserem Leben der ständigen Bekehrung gestärkt zu werden. Hier ist kein Platz für Relativismus und wir beabsichtigen keinesfalls, unsere grundlegenden Glaubensverpflichtungen aufzugeben oder zu relativieren, sondern es geht um die Bereitschaft, Wege zu finden, um den anderen, eben als anderen, mit Liebe und Mut zu engagieren. Das ist das richtige Rüstzeug für unsere Arbeit im Dialog zwischen den Glauben.
Kontemplation
Im Mittelpunkt unseres Lebens steht Gott, Der durch den Heiligen Geist in Jesus Christus offenbart wurde. Die Kontemplation der sich ergießenden caritas, die in der Menschwerdung offenbart wird, ist die treibende Kraft unserer Spiritualität. Unsere Grund-, Fort- und Weiterbildung bringt uns im Laufe des Lebens immer wieder auf höhere Ebenen, was das Leben Christi, die grundlegenden Texte der Bibel, die Reichtümer unseres theologischen Erbes, die große kulturelle Vielfalt im Geist und Leben, die wir im Heiligenkult, in der Verehrung Mariae finden, betrifft – alle diese breiten Bahnen öffnen im Laufe der Zeit unsere Herzen und Sinne und füllen sie mit neuem Licht und neuer Kraft. Und doch kann für die unter uns, die Zeit haben zu studieren oder in deren Leben und Arbeit angemessene Gelegenheiten gegeben sind, den Lehren, Praktiken und kulturellen Ausdrücken anderer Religionen zu begegnen, auch eine richtige Einladung sein, die große Vielfalt der Wege zu kontemplieren, auf der der Heilige Geist in unserer Mitte zu spüren ist.
Der mächtigen Musik an hohen jüdischen Feiertagen zu lauschen, den täglichen Gebetsablauf in einer Moschee zu verfolgen, vor einem uralten Bild Buddhas zu stehen und die Verehrung zu sehen, die es den Menschen einflößt - diese und ähnliche Erfahrungen fordern uns auf, uns an einen anderen Platz zu stellen und die vielen Wege zu betrachten, auf denen Männer und Frauen den Weg zum Göttlichen finden. In Augenblicken tiefer Einsicht können wir dann vielleicht einen Blick auf die untergründigen Fäden werfen, die uns verbinden. Bei einer wahrheitsgemäßen Antwort müssten wir dann zugeben, dass wir manchmal verwirrt und außer Fassung gebracht sind durch diese Sitten, die so anders sind als die, die uns heilig sind. Aber selbst diese Begegnung mit dem Verschiedenen und Unverständlichen weist uns darauf hin, dass wir anerkennen müssen, dass denen, die in anderen religiösen Gemeinschaften aufwuchsen, unsere Sitten genau so rätselhaft erscheinen wie uns ihre.
Diese Mischung aus Erfahrungen mit tröstlichen Einsichten und störender Verwirrung versetzt uns weiter in einen Zustand kontemplativer Stille, Achtung und Demut.
Mindersein/Demut
Man kann heute nicht Bürger der Erde sein, ohne gegenüber den Greueltaten und Gewalttätigkeiten Schmerz zu empfinden, die im Namen von religiösem Fundamentalismus und Sekten begangen werden. Wir müssen immer mehr darauf bedacht sein, uns und unsere Studenten dazu zu erziehen, die nicht offensichtlichen Seiten des exzessiven Sekteneifers zu erkennen. Das komplexe Gewebe religiöser Identität, ethnischen und rassistischen Stolzes und Feindlichkeit gegenüber den eigenen wirklichen oder eingebildeten Feinden, sollte in allen, die sich wirklich um die Entwicklung einer reifen religiösen Identität sorgen, eine tiefe Demut bewirken. Während wir einander versichern, dass die wahre Natur unserer religiösen Dogmen Achtung und Verehrung des Lebens fordert und für friedvolle Wege in der Welt steht, müssen wir - die wir dem Glauben Abrahams anhängen – mit ansehen, wie eine fortwährende Spirale der Gewalttätigkeit, die Leben im Namen einer falsch verstandenen religiösen Auffassung und Identität fordert. Wir müssen auf leichte Lösungen und vereinfachende Ansätze verzichten und uns für eine gute Erziehung und umfassende Ausbildung in Achtung, Toleranz einsetzen: gegenseitige Annahme muss unser steter Wegbegleiter sein.
Armut
Der hl. Franziskus, die hl. Klara und ihre frühen Gefährten wußten, dass alles in ihrem Leben eine Gabe war und dass die Hauptaufgabe in ihrem Leben war, Gott zu preisen und Seine vollkommenen Gaben zurückzugeben. Während das frühe franziskanische Lebensprojekt nur das Lebensnotwendige erlaubte, nahm man doch immer an, dass der Kern der inneren Armut die Seele dieser Askese war. Starrköpfig an der eigenen Meinung festzuhalten, andere zu verurteilen, egoistische Annahmen und Wünsche zu vertreten, das alles war eine Art Horten, ein Ansammeln persönlichen Reichtums, vor dem der hl. Franziskus stets warnte. Wenn wir heute zu interreligiösem Gespräch und Kommunikation aufgerufen sind, sollten wir uns immer wieder an diese Warnung erinnern und danach handeln. Es ist schwierig, ein Teil der Gemeinschaft, des Austauschs oder Dialogs zu werden, wenn wir nicht fähig sind, unsere eigenen Wünsche beiseite zu legen, die dahin gehen, innerhalb einer persönlichen ”Komfortzone” bleiben zu können – ganz egal, wie schön sie ist (zum Beispiel, wenn ich mich völlig in meiner Ordensgemeinschaft, Pfarrei oder in meinem spirituellen Kreis wohlfühle, kann es sehr hart für mich sein, mit der erforderlichen Demut und Bereitschaft an einem Austausch teilzunehmen, in dem mich berichtigt oder in dem ich zugeben muss, dass ich Vorurteile habe und begrenzt bin). Wenn dann der Austausch des ehrlichen Dialogs einen gnadenlosen Blick auf die Wege mit einschließt – und das kann gar nicht anders sein – auf denen unsere Unterschiede zu Diskuriminierungen, ja sogar zu Gewalttätigkeit einander gegenüber geführt haben, müssen wir diese innere Armut besitzen, die die Wahrheit und den Schmerz der anderen zuläßt – ganz egal wie unbequem das für uns sein mag.
Vielleicht wollte Papst Johannes Paul II. einer tiefgehenden spirituellen Armut Ausdruck verleihen, als er 1986 die Häupter der Weltreligionen einlud, zu ihm nach Assisi zu kommen und er Assisi und nicht Rom für diese Begegnung auswählte. Wollte er so anerkennen, dass die eingeladenen Gäste vielleicht an die vielen Gewalttaten gedacht hätten, die im Namen der institutionellen Kirche im Verlauf der Jahrhunderte begangen worden waren, wenn sie im kaiserlichen Glanz der großen vatikanischen Basiliken gebetet hätten? War er sich bewußt, dass das mythische Genie und die Universalität des hl. Franziskus nach sieben Jahrhunderten immer noch einen “ruhenden Punkt” der Begegnung und Gegenseitigkeit für die Stimmen von Muslimen, Hindus, Indianern und auch die Stimmen der Religionen abgeben würden, die in den letzten zwei Jahrhunderten an der Arbeit für die Einheit der Christen teilgenommen haben? Ganz egal, welche Gründe er wohl hatte - seine Wahl erwies sich als prophetisch und wirksam. Am Tag nach dem Treffen verbrachten die Mönche des heilgen Konvents Stunden damit, die Vertreter der Weltreligionen durch die Basilika zu führen und die Geschichte des hl. Franziskus anhand einer der schönsten Wandmalereien der Geschichte zu erzählen — nämlich dem Affreskenzyklus von Giotto. In diesen Stunden spiegelte sich die Anerkennung einer gemeinsamen Grundlage in der Geschichte des hl. Franziskus wieder, in seiner Demut, Buße und seinem Mindersein: immer wieder bezog man sich in den heiligen Gesprächen auf ihn. Wir haben die Chance, diesen großen Augenblick im 21. Jahrhundert zu wiederholen. Laßt uns um Weisheit beten und danach genau das tun.
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Schwester Margaret Czarney, OSF, dient heute als Präsidentin der St. Bonaventure University. Sie war die letzte Direktorin des Franciscan Institute und Dekanin der Franziskanischen Studien. Sie diente acht Jahre lang als Generaloberin ihrer Kongregation und gehörte 1982 einem Internationalen Ausschuss an, der die Regel für den Franziskanischen “Dritten Regulierten Orden” ausarbeitete. Sie ist in der ganzen franziskanischen Welt bekannt für ihre Hingabe zu allem Franziskanischen.
Fr. Elias D. Mallon, SA
Als die katholische Kirche während des Zweiten Vatikanischen Konzils in dem Dokument Nostra aetate erklärte, dass sie “nichts von der Wahrheit verwirft”, die in anderen Religonen enthalten sein mag, begab sie sich unwiderruflich auf den Weg des interreligösen Dialogs. Die Einrichtung des Segretariats für die Nicht-Christen und späteren Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog setzte ein Zeichen dafür, dass die römisch_- katholische Kirche entschlossen war, die Beziehung zu den großen nichtchristlichen Religionen der Welt aufzunehmen.
Papst Johannes Paul II. besuchte unermüdlich während seiner Reisen viele muslimische, buddhistische und hinduistische Länder, in denen er immer wieder darauf hinwies darüber sprach, dass ein Dialogs zwischen den Religionen notwendig war. Bei dem “Großereignis in Assisi”, bei dem der Papst die Häupter der meisten Weltreligionen zusammengebracht hatte, betete jeder auf seine eigene Weise um Frieden und Verständnis. Die Ansprachen des Heiligen Vaters vor muslimischen Jugendlichen in Marokko, Muslimen in der Türkei, dem Sudan und anderen Orten hoben die Bedeutung hervor, die der verstorbene Papst der römisch - katholischen Kirche in ihrem aktiven Dialog gab.
Papst Benedikt XVI zeigte mit seiner vor kurzem erfolgten Reise in die Türkei, dass das Engagement der katholischen Kirche im interreligiösen Dialog unter dem neuen Papst nicht nachlassen wird. Benedikt besuchte die Moschee in Istanbul und sein stilles Gebet dort setzte ein mächtiges Zeichen für sein Engagement im Dialog zwischen der Kirche und dem Islam. Die Ansprachen, die er sowohl in der Türkei als auch in Rom hielt, wiesen weiterhin auf seine Sorge für den interreligiösen Dialog und sein Engagement für diesen hin.
Die Ordensleute nehmen einfach als Teil der Kirche an deren Engagement am interreligiösen Dialog teil und dürfen als Menschen, die der Kirche und ihrer Sendung dienen, nicht das starke interreligiöse Engagement ignorieren, das von dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewünscht worden war. Es gibt aber noch andere Gründe, weshalb besonders Religiose vom interreligiösen Dialog angezogen werden. Im Verlauf der Jahrhundert waren die Ordensleute immer an erster Stelle zu finden, wenn die Kirche den großen religiösen Traditionen der Welt begegnete. Denken wir nur an den hl. Franziskus von Assisi und sein Treffen mit Sultan Malik al-Kamal in Damietta, Ägypten, das wahrscheinlich um das Jahr 1219 während des Vierten Kreuzzugs stattfand und so gar nicht dem Geist der Zeit entsprach und gerade deshalb ein Symbol dafür war, wie Menschen zweier verschiedener Religionen einander aufrichtig und freundlich begegnen konnten. Die großen Übersetzungsprojekte im Mittelalter, mit denen der Koran und die Arbeiten vieler muslimischer Denker Gelehrten im Westen zugänglich gemacht wurden, ist auf die Arbeit von Mönchen, vor allem aus dem Kloster von Cluny unter dem hochwürdigen Abt Peter (1094-1156) zurückzuführen. Die Mönche beschäftigten dabei arabisch sprechende Muslime um sicherzustellen, dass die Übersetzungen gut und genau waren. Andrerseits kann man nicht von Christentum in China sprechen, ohne an den Jesuiten Matteo Ricci (1552 – 1610) zu denken. Ricci reiste als Missionar nach China und entwickelte dort eine tiefe Hochachtung vor der chinesischen Kultur und Religiosität. Offensichtlich war er mit dem Taoismus, der herrschenenden religiösen Tradition in China, bestens vertraut, wurde seinerseits von den Chinesen hochgeschätzt und erreichte eine hohe Stellung in der Regierung. Ricci war seiner Zeit weit voraus, als er versuchte, das Evangelium so zu inkulturieren, das es die Chinesen verstehen konnten.
Auch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, in moderner Zeit, waren Ordensleute im Bereich des interreligiösen Dialogs führend. Charles de Foucauld (1858-1916), Ordensstifter der “Little Brothers and Little Sisters of Jesus” verbrachte sein Leben unter Muslimen, um ein stilles Zeugnis für das Evangelium abzulegen. Auch die Missionare von Afrika, die Kardinal Charles Levigerie (Erzbischof von Algier) im Jahre 1868 gründete, waren führend im Dialog zwischen Katholiken und Muslimen.
Religiose widmeten ihre Aufmerksamkeit nicht nur dem katholisch-muslimischen Dialog . Der Benediktiner Bede Griffiths (1906 – 19939), der unter dem Namen Swami Dayananda bekannt war, widmete sein Leben während und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil dem Dialog zwischen Katholiken und Hindus. In seinen Schriften erforschte er die Regeln von Meditation und Yoga, die die Hindus im Verlauf von Jahrtausenden entwickelt hatten, und wandte sie in christlichen Praktiken an. Wie er war auch der Zisterzienser Thomas Merton (1915-1968) führend im Dialog zwischen Buddhisten und Katholiken. Der Tod ereilte ihn in Bangkok auf der Rückreise von Asien nach einem Treffen mit buddhistischen Persönlichkeiten. Die Arbeiten von Merton — besonders die, die er später in seinem Leben schrieb — zeigen sein tiefes Verständnis und seine Wertschätzung von Buddhismus und Meditation. Mertons Arbeit wurde faktisch im “Interreligiösen Monastischen Dialog” in den letzten zwanzig Jahren fortgesetzt. Bei den “Gethsemane - Begegnungen” handelt es sich dagegen um zwei Treffen von buddhistischen und katholischen Mönchen und Nonnen, die in dem Zisterzienserkloster Gethsemane (Kentucky, USA) in den Jahren 1996 und 2002 stattfanden.
Geradezu unendlich viele wichtige und früchtetragende Begegnungen fanden zwischen Religiosen und Vertretern nichtchristlicher Religionen in Afrika und Asien statt. So wird offensichtlich, dass das Engagement der Ordensleute – der Männer wie Frauen – am interreligiösen Dialog nichts Neues ist und auch nicht erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil begann. Aus der obigen, ganz offenen Übersicht ergibt sich klar und deutlich, dass Ordensmänner und – frauen wirklich schon seit Jahrhunderten im interreligiösen Dialog engagiert sind, der sich auch nicht auf eine religiöse Gemeinschaft beschränkt, denn Jesuiten, Domenikaner, Franziskaner verschiedener Kongregationen, die Zionschwestern, die Little Brothers and Sisters of Jesus, die Missionaries of Africa, und so viele andere, die man hier nicht alle aufzählen kann, waren und sind auch weiterhin heute im Dialog mit Juden, Muslimen, Buddhisten, Hindus und anderen tätig. Dieser Dialog ist Teil des Zeugnisses, das Religose und alle Christen für die unendliche und grenzenlose Liebe von Christus ablegen.
In einer Welt, in der zu viele Konflikte einen religiösen Hintergrund haben, ist der interreligiöse Dialog nicht länger eine überflüssig oder eine Option. So wie alle Menschen aufgerufen sind, den Frieden Christi zu stiften und zur Beilegung von Konflikten in der Welt beizutragen, so sind Religiose berufen, die anderen Religionen unseres Planeten kennenzulernen. Religiose sind auch berufen, die großen Fragen und Probleme unserer Zeit anzugehen und die Religion als Quelle und Lösung von Konflikten gehört zweifellos zu den wichtigsten Problemen unserer Zeit. Heute ist es mehr denn je zuvor notwendig, dass sich Menschen verschiedenen Glaubens verstehen, dass sie besser zusammenarbeiten und zu erreichen versuchen, dass die Gewalttätigkeiten nachlassen. Das Engagement der Ordensleute für diese wichtige Aufgabe ist nicht nur etwas, was wir im Verlaufe unserer langen Geschichte getan haben, sondern es ist auch unsere zukünftige Berufung.
ENDNOTES
1. Ich gebrauche hier das Wort “monastics” anstelle des Wortes Mönche, da sowohl Männer als auch Frauen, d.h. buddhistische und römisch-katholische Mönche und Nonnen an dieser Begegnung in Gethsemane teilnahmen.
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Elias D. Mallon, ein Mönch des Bußordens (Graymoor), Lizentiat (STL) in Alttestamentarischen Studien und Doktor (PhD) in nahöstlichen Sprachen an der Catholic University of America. Seine Habilitation und Forschungsarbeit absolvierte er an der Eberhard- Karls- Universität in Tübingen, Deutschland. Er arbeitete an der University of Washington, Seattle, WA, und arbeitete für das Vatikanische Segretariat für die Förderung der Einheit der Christen an dem Ökumenischen Institut in Bossey, Schweiz. Fr. Mallon war 11 Jahre lang Direktor des Graymoor Ecumenical & Interreligious Institute und engagiert sich seit 1985 im Katholisch/Christlichen-Muslimischen Dialog. Er schrieb mehrere Bücher und Artikel über den Islam, der Titel seines letzten Werks lautete: Islam: Was Katholiken wissen sollten (Washington, DC: National Catholic Education Association, 2006) und “Shiitische Muslime — Die Partei von Ali” America, 6. Februar, 2006.
Schwester Violet Grennan, MFIC
Der vorbehaltslose und ausdrückliche Aufruf unserer Dritten - Ordensregel an uns, Friedensstifter zu sein, ist keine einfache, an unsere Familie gerichtete Aufforderung oder Option, die sich an jedes Mitglied und die Franziskaner/innen des Dritten Ordens als eine Gemeinschaft richtet. Da wir das fünfundzwanzigste Jubiläum von Regel und Leben feiern, ist der erneute Aufruf, in unserer heutigen Welt Friedensstifter zu sein, unabhängig von dem Land, dem Kontinent oder der Hemisphäre, in der wir leben und dienen, zu sehen und für uns Gelegenheit, den Aufruf zu überprüfen und und uns für eine persönliche und gemeinschaflliche Herausforderung im Jahre 2007 und danach erneut zu engagieren.
Während der Aufruf, Friedensstifter zu sein, einen allgemein weltumfassenden und globalen Klang an sich hat, können wir den besonderen Ausdruck des Lebens in unserer Berufung als franziskanische Männer und Frauen in unseren jeweiligen Welten finden, wenn wir als Einzelpersonen oder als Gesamtheit versuchen, in die Fussstapfen des hl. Franziskus von Assisi zu treten, der seinen Lebensstil nach dem Gott des Friedens ausrichtete, Der in der Gestalt Jesu Christi Mensch wurde. Der Rahmen für die volle Antwort auf den Ruf ist in unserem Leben ganz konkret in der heutigen Sendung zu finden. Es ist ein Ruf und eine glanzlose Herausforderung, die eine voll bemessene und konkrete Antwort fordern.
Unser Gemeinsames Leben
Die einleitenden Zeilen von Artikel 30 unserer Dritten Ordensregel fordern uns heraus, nicht zu vergessen, dass:
“Wie sie den Frieden mit dem Munde verkünden, so und noch mehr sollen sie ihn in ihrem Herzen tragen. Niemand soll durch sie zu Zorn oder Ärgernis gereizt werden; vielmehr seien alle durch ihre Milde zu Friede, Güte und Eintracht aufgerufen".
Wie gut kannte der hl. Franziskus doch die Menschen und sich selbst. Es ist wohl relativ einfach, sich mit Worten zum Frieden zu bekennen, aber dieses Bekenntnis im eigenen Herzen, dem Ort, in dem Frieden und Gewalttätigkeit in unserem eigenen Leben als Personen verwurzelt sind, zu tragen und aus dem Herzen heraus zu handeln, ist manchmal doch die größere Herausforderung. Oft erfahren wir ja ganz konkret auf diesem Schauplatz unseres Lebens den Ruf zu ständiger Bekehrung, zu Verzeihung und Versöhnung, und verkörpern das ganze Leben hindurch Frieden .
Grundsätzlich für eine wahrhaftige und erkennbare Antwort auf den Ruf, Friedensstifter zu sein und Frieden zu verkörpern, ist es, Beziehungen zu der ganzen Schöpfung Gottes zu pflegen, die in uns die Schwestern und Brüder sieht, die sich die evangelische Lebensform zu eigen machen, wie es der hl. Franziskus und die hl. Klara von Assisi in ihrem Leben taten. Dieses Leben in Beziehungen wird klar in dem Kapitel unserer Regel hervorgehoben, in der von unserer Erfahrung der Geschwisterlichkeit (geschwisterliche Liebe) die Rede ist.
“Wenn es vorkommen sollte, dass einmal zwischen ihnen durch Wort oder Zeichen Veranlassung zur Aufregung entstünde, so soll einer den anderen sofort demütig um Verzeihung bitten, bevor er vor dem Herrn die Gabe seines Gebetes darbringt” (Art. 24).
Die Worte sofort und demütig betonen ganz konkret den Aufruf zu besonderen Beziehungen mit den Brüdern und Schwestern, mit denen wir unser Leben-in-der-Sendung teilen. Diese Beziehungen, die Tatsache, dass diese Kernwerte und Einstellungen der franziskanischen Erfahrung lebendigen Ausdruck finden, führen zu einer Lebensform, die im Laufe der Zeit entwickelt, unterstützt und gleich ist für alle, die Frieden verkörpern, als Vorbild und das Wort Gottes haben und in unserer Welt Seinen Spuren folgen. Diese Reise beginnt in unserem Inneren.
Weg und Reise, zum Friedensstfter zu werden, waren für den hl. Franziskus nicht naturgegeben. Für uns ist das nicht anders. Normalerweise führt für uns der Weg über Selbsterkenntnis, Leiden, Demut, eine Erfahrung persönlicher Armut und Beten zu einer objektiven Wahrnehmung unserer Identität, sobald er/sie die Wahrheit, die in der Ermahnung des hl. Franziskus liegt, versteht: "Was ein Mensch vor Gott ist, ist er und nicht mehr" (Erm. XIV:2). Das ist das wahrhaft gesegnete und gebrochene, begabte und verletzbare Selbst, der sündige und der erlöste Mensch, den Gott beruft, in einer Beziehung mit anderen Schwestern und Brüdern zu leben, die unsere gemeinsame Menschlichkeit teilen. Oft ist es eher in diesem Kreis von Beziehungen innerhalb unserer eigenen Gemeinschaften und Orden als im Dienst oder in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen, in dem wir die größere Herausforderung, das in unserer Regel und Leben dargestellte evangelische Ideal, erfahren.
Als Frauen und Männer, die berufen sind, den Frieden zu verkörpern, und diesen herbeiwünschen, werden wir weiterhin in Artikel 24 herausgefordert, nicht zu vergessen, dass
“… wenn einer sich in schwerer Weise über die Lebensform hinwegsetzt, zu der er sich in der Profeß bekannt hat, soll er vom Vorgesetzten oder von den anderen, die um seine Schuld wissen, ermahnt werden. Diese aber dürfen ihn nicht beschämen, noch herabsetzen; sie sollen vielmehr großes Erbarmen mit ihm haben. Alle aber müssen sich sorgfältig hüten, wegen der Sünde, die jemand begangen hat, zornig und verwirrt zu werden; denn Zorn und Verwirrung verhindern in ihnen selbst und in den anderen die Liebe.” (Art. 24).
In diesem Absatz wird uns stillschweigend ein Weg der Beziehung zu denen vorgezeichnet, die manchmal die Lebensregel nicht wie vorgeschrieben befolgen. Wir werden zu einer Beziehungsart ermutigt, die eine menschlich-mitleidende, liebende Antwort hervorruft, die uns befähigt, mit uns selbst und dem "Anderen" in Frieden zu leben und keine harten selbstgerechte Urteile zulässt, die verhindern, dass "wir liebend leben". Es ist dieses unbedingte "dem Anderen Platz machen" ohne Berücksichtigung ihres Anderssein, das uns als Anhänger von Jesus Christus und dem hl. Franziskus auszeichnet. Der hl. Fransziskus hat immer wieder in seinem Leben zusammen mit seinen Brüdern dieses Beziehungsmuster deutlich gemacht. Er erfuhr seine eigene Menschlichkeit, Verwundbarkeit, Armut und Demut, wenn er in das Anlitz Gottes schaute und akzeptierte diese gleiche Menschlichkeit in seinen Brüdern. Wahrend das Jahrhundert, der Ort und die besonderen Umstände, in denen wir leben, sich von denen des hl. Franziskus unterscheiden, hat sein Aufruf, "den Mitmenschen zu akzeptieren" unter den konkreten Umständen unseres täglichen Lebens heute genau die gleiche Bedeutung wie damals. Unsere "Annahme der Mitmenschen" bezeugt durch Vorbild und Wort unsere Treue zu der evangelischen Lebensvision, wie sie Franziskus verstand, der leidenschaftlich in seiner Zeit und dort, wo er lebte, zum "Fußstapfen Gottes" werden wollte.
Unser Leben in der Sendung
Die Kapitel in unserer Regel über unsere franziskanische Identität, unser gemeinsames Leben, den Geist des Gebets, der Armut, die Art zu dienen und unser apostolisches Leben schreiben für die unter uns, die sich frei entscheiden und die Profess ablegen, um der evangelischen Lebensvision zu folgen, wie es der hl. Franziskus von Assisi tat, eine Lebensform vor. Wenn diese Lebensform durch Vorbild und Wort bekräftigt wird, identifiziert sie uns in einer besonderen Weise als Anhänger dieser evangelischen Vision.
Wir sind als Franziskanerinnen und Franziskaner nicht allein zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus Christus und zur Gemeinschaft mit unseren Brüdern und Schwestern berufen, die unser geweihtes Leben teilen. Der Ruf ist unauflöslich mit einem Ruf zur Sendung verbunden - zu einer besonderen Beziehung mit der ganzen Schöpfung Gottes, der uns als Anhänger des Gottes des Friedens und des hl. Franziskus von Assisi identifiziert. Der Ruf bedeutet Gemeinschaft in der Sendung.
Der Kommentar in Kapitel IX: Apostolisches Leben, erinnert uns daran, dass die vorhergegangenen Kapitel das Fundament unserer Berufung, unsere franziskanische Identität, unser Gebet, unsere Beziehungen als Brüder und Schwestern und unsere Einstellung gegenüber dem Dienst und der Arbeit konzentriert hatten. Aus der gelebten Erfahrung mit den in diesem Kapiteln beschriebenen Werten und Einstellungen entsteht unsere Sendung und unser Dienst als Friedensstifter. Der Auftrag, der uns gegeben wurde, ist klar:
“Die Schwestern und Brüder sind berufen, die Verwundeten zu heilen, ihre Wunden zu verbinden und die, die vom Wege abgekommen sind, zurückzurufen. Sie sollten sich an allen Orten daran erinnern, dass sie sich völlig unserem Herrn Jesus Christus hingegeben und anvertraut haben. Deshalb sollten sie bereit sein, sich aus Liebe zu Ihm allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden auszusetzen, denn der Herr sagt: “Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.” (Mt. 5:10).
Ein solcher Sendungsauftrag ist für diejenigen, die sagen, dass sie das evangelische Ideal des hl. Franziskus von Assisi, dem Mann des Friedens, übernehmen, keine einfache Option. Dieser Teil in unserer Regel und Leben, ist wie so viele andere, überhaupt nicht zweideutig. Ohne Berücksichtigung der jeweiligen geographische Lage, des kulturellen Rahmens oder der besonderen Dienste, in denen wir tätig sind, erfordert unser Da -Sein in der Beziehung zu besonderen Menschen in ihren jeweiligen Lebensumständen eine Antwort, die voll bemessen ist und uns als diejenigen identifiziert, die versuchen, überall in unserer Sendung eine "Fußspur Gottes" zu sein. Wir werden daran erinnert, dass eine solche Antwort unter anderem Herausforderungen mit sich bringt und wir uns aktiv darauf vorbereiten müssen, uns “jedem sichtbaren und unsichtbarem Feind… dem “Anderen”, wer immer auch der "Andere" sein mag, auszuliefern. Und ganz konkret: Wen bezeichnen wir oder wen bezeichnen wir nicht in unseren jeweiligen Orten, Kulturen und Orten der Sendung und des Dienstes bewußt als "Feinde" und wie gehen wir mit ihnen um?
Der hl. Franziskus entschied sich nicht einfach so dazu, die "Mitmenschen" anzunehmen. Daran erinnert er uns selbst in den einleitenden Zeilen seines Testaments, in denen er über seine erste Begegnung mit dem Aussätzigen berichtet. Auch für uns scheint diese Annahme "des Mitmenschen, des heutigen Aussätzigen" nicht einfach zu sein. Für den hl. Franziskus und diejenigen unter uns; die sich als seine Anhänger ansehen, ist das Leben Jesu, wie es sich uns in dem Evangelium darstellt, Straßenkarte und Wegweiser. Die völllige Hingabe Jesu, die sich ganz konkret in seinem Leben wiederspiegelt, Seine Passion und Sein Tod sind die Lebensform, die wir übernehmen. Das ist die Lehre und das Beispiel für eine voll bemessene und konkrete Antwort.
Die Worte völlig und ganz in diesem Absatz aus unserer Regel und Leben dienen als eine beherzte Erinnerung daran, dass wir diesen Lebensweg freiwillig eingeschlagen haben. Hören wir uns wieder die Worte des hl. Franziskus an, die er an diejenigen richtete; die in seinen Fußspuren nachfolgen: “Behaltet darum nichts von euch für euch zurück, damit euch ganz aufnehme, der sich euch ganz hingibt” (BrOrd 29). Als der hl. Franziskus Gottes völlige Hingabe Seiner Selbst in der Gestalt von Jesus Christus im Opfer unseres Herrn Jesus Christus und am Kreuz erlebte, kam für ihn nichts weniger als eine völlige Antwort, eine völlige Hingabe seiner selbst an und für die Mitmenschen in Betracht. Gilt das auch für uns?
Die besondere Art, in der wir unsere Sendung, "unter die Leute zu gehen" wahrmachen, wird in Kapitel 5 unserer Drittordensregel "Von der Art zu dienen und zu arbeiten" beschrieben.
“Die Brüder und Schwestern seien milde, friedfertig und bescheiden, sanftmütig und demütig und sollen mit allen anständig reden, wie es sich gehört. Und wo sie auch sein mögen oder durch die Welt gehen, sollen sie nicht streiten, noch sich in Wortgezänk einlassen, noch andere richten. Vielmehr sollen sie sich als solche zeigen, die sich im Herrn freuen und heiter und liebenwürdig sind. Und als Gruß sollen sie sagen: "Der Herr gebe dir den Frieden” (Art. 20).
Ganz einfach, ein wirklicher Friedensgruß wird nur dann glaubhaft, wenn die, denen er gilt, bei uns Freude und Frieden sehen, wenn wir "bei ihnen sind". Ganz egal, wie verschieden ihre Werte, Einstellungen, Lebensform oder Glauben sind, dürfen wir nicht richten, wir dürfen nicht versuchen, neue Strukturen oder Glauben aufzuzwingen. Wir selbst verleugnen weder unsere eigenen Werte noch unseren Glauben; wenn wir zu den Menschen gehen, räumen wir ihnen einen Platz ein, hören sie an und begrüßen sie mit einem Friedensgruß. Unser TOR - Kommentar erinnert uns daran, dass "der hl. Franziskus glaubte, dass wir andere nicht richten sollten, auch wenn sie nichts von dem Evangelium wissen sollten. (vgl. RB 2:17). Sie sollten jedoch durch unser freudiges Zeugnis im Herrn berührt werden. Das allein würde unseren Friedensgruß glaubhaft machen" (TOR - Kommentar, S. 37).
Schlussfolgerung
Aus diesen Überlegungen, Friedensstifter zu sein, ein Thema aus unserer Dritten Ordensregel, auf das insbesonders in den Kapiteln V, VII und IX eingegangen wird, lassen sich vier grundsätzliche Werte fünf unser franziskanisches Leben in der Sendung ableiten:

Prof. Ricardo Antonio Rodríguez
Auf Südamerika lastete die ewige Suche nach Gold, Silber, Diamanten und anderen unzähligen Metallen und Mineralien, usw. auf unserer Kultur wie ein schweres Joch, das noch heute von verschiedenen Regionen getragen werden muss. Ich spreche hier nicht nur von der bei der Ausbeutung bewirkten Zerstörung, sondern vor allem davon, dass diese Güter nie zur Verbesserung des Lebens der dortigen Bewohner dienten. Denken wir nur an Brasilien, an das aus unserem Boden gewonnene Gold, das gewiß nicht die Lebensqualität der am Gewinnungsprozeß beteiligten Personen erhöhte, während andere Regionen der Welt, zum Beispiel einige Regionen Europas, dadurch steinreich wurden. Nach Rotzetter verschärfte der Kapitalismus diese Unterschiede noch und führte zur Entwicklung einer wahren Enteignungs- und Herrschaftsdoktrin. Wenn das der Stand der Dinge ist, ist es an der Zeit, die Rolle des franziskanischen Gedankenguts als ein wichtiges Instruments der Friedensstiftung anzuerkennen und wir zurückschauen, wie der hl. Franziskus angesichts der Herausforderungen seiner Zeit handelte.
Von dem heiligen Franziskus von Assisi können wir nämlich lernen, dass die materiellen Güter ein Mittel zur Förderung des Lebens sein müssen (Test. 16, RnB 2,4), da diese Güter von Gott kommen (Ad 2,3 und RnB 17,17) und nicht so wichtig wie Menschen sind (2Cel 80,2). Leider erkannte die Menschheit noch nicht diesen Zusammenhang, wobei es sich weniger um den bösen Willen der Masse der Bevölkerung im allgemeinen, sondern darum handelte, dass die Regierenden es vorziehen, mit ihren Verbündeten der Macht zu dienen, als die Macht dazu zu benutzen, das Allgemeinwohl zu verbessern (AP 11, 1.10).
Wir können die franziskanische These der Armut in der Haltung des hl. Franziskus erkennen, als er die Menschheit im Aussätzigen erkannte (1 Cel 17,4). Er überträgt so das Konzept der “Menschheit” und nimmt in diesem Mann, der sich in einem jammervollen Zustand befindet, die Präsenz Christi wahr (LM 1,6,2).. Diese grundlegende Erfahrung macht uns klar, dass es nicht ausreicht, den Menschen nur zu sehen: wir müssen vielmehr über die Person hinausschauen und erkennen dann eine Dimension, die uns vereint und betrifft (CA 64, 1 ff) - eine Würde oder das Fehlen derselben, die uns in die Verantwortung nimmt und uns verbindet. Wir müsssen über das uns Sichtbare hinaus im Schmerz der menschlichen Wesen den Schmerz Christi zu erkennen suchen.
Wenn das nicht geschieht, laufen die Menschen in einer von Materialismus und Geld beherrschten Welt, in dem die Mittel zu Zielen werden, Gefahr, instrumentalisiert zu werden, das heißt, sie werden als Instrumente und nicht als Ziel des technisch-wissenschaftlichen Prozesses gesehen. Angesichts dieser Wirklichkeit muss die franziskanische Haltung aus ihrem Tiefschlaf erwachen. Es reicht nicht aus, in den Schulen und Universitäten über den Umweltschutz zu reden, wir müssen auch die vergessenen menschlichen Wesen berücksichtigen (RB 4,2; RnB 8, 3.7), die im Univerum der vielen Möglichkeiten und Berechnungen untergehen. Wenn bei Goya der Schlaf der Vernunft Ungeheuer gebiert, können wir folgern, dass der Schlaf menschlicher Empfindsamkeiten ebenfalls und vielleicht noch gefährlichere Ungeheuer hervorbringt. Wir müssen also unsere ontologiche Dimension in der Sorge um die, die leiden, zurückgewinnen (2Cel 22,2; 2Cel 85,8; RnB 8,3) und das, was menschlich ist, wieder in den Mittelpunkt im Umweltschutz stellen.
Die Rückgewinnung des Menschlichen kann wirklich zu neuen Beziehungen zwischen uns und der Umwelt führen (Ad 1, 19-20; 5,1; 1Cel 82,1; 3 Cel 1,3) .
Kein Zugang zu Lebensnotwendigem, wie zum Beispiel Arbeit, und fehlende Qualifikation führten dazu, dass Frauen und Männer zur Zeit des hl. Franziskus zu Aussätzigen gemacht wurden. Die sich ausbreitende Suche nach einem neuen Geist verwischte diese Verzerrungen und so begann die Umkehr eines Prozesses, der dem wirtschaftlichen Reichtum zum Schaden der Menschen Vorrang gab. Wir können in allen Regionen unseres Kontinents unzählige Erfolge im wirtschaftlichen Bereich in Übereinstimmung mit nachhaltiger Entwicklung aufzählen. Das franziskanische Gedankengut führte vor allem in Brasilien zu einer auf einer neuen Sicht beruhenden Ethik.
Die Nacktheit von Franziskus (1Cel 15,1-3; 2Cel 194,1) gegenüber einer Gesellschaft und einem Vater, die ihrerseits völlig in ihren Geschäften und im Produktionsnetz verstrickt sind, läßt uns einerseits an das in seiner menschlichen Identität zutiefst verwundete und getroffene menschliche Wesen denken, andrerseits eröffnet sich uns aber der Weg der Hoffnung, denn die Kultur ist das Ergebnis dessen, wofür wir uns entscheiden und was wir verstehen.
Der hl. Franziskus von Assisi brach in seinem Leben mit den Spitzfindigkeiten und Mechanismen, die das Joch der Menschheit sind. Wenn wir eine neue Gesellschaft aufbauen wollen, müssen wir erst unsere alten Kleider wegwerfen; wenn wir eine neue Gesellschaft aufbauen wollen, in der das Lamm und der Wolf friedllich miteinander leben, müssen wir unsere Art zu handeln ändern. Wir brauchen dann neue Männer und neue Frauen, die in der Lage sind, auf eine neue Art das menschliche Leben zu meistern.
Wenn wir auf unserem Kontinent den Sinn des Menschlichen hervorheben und eine neue Gesellschaft aufbauen, eine Gesellschaft neuer menschlicher Wesen schaffen wollen, wie es der hl. Paulus sagt (Eph. 2, 11-22) müssen wir die Ketten zerbrechen, die die menschliche Größe fesseln und abschwächen (RSC 6,1).
Wenn wir das Evangelium nicht nur wie eine sozialistische Fahne vor uns herschwenken wollen, dann heißt das, dass wir angesichts der Einstellung des hl. Franziskus gegenüber der Natur nicht nur dem Evangelium dienen, es lieben müssen, sondern auch die Ausgegrenzten nicht vergessen dürfen, denn wenn wir das tun, hieße das aus filosofischer Sicht, dass wir unvernünftig und aus theologischer Sicht, dass wir Ketzer wären.
Im hl. Franziskus treffen sich Himmel und Erde. Wenn die evangelischen Ideale der Liebe und des Friedens das Menschlche berühren, dann schaffen sie die Grundlagen der Art, wie man denkt, feiert, handelt, lebt und verändern unvermeidlich auf die eine oder andere Art das Leben der Gesellschaft. Wir müssen mit dem hl. Franziskus eine neue Art Leben lernen und uns gleichzeitig auf die alte Art besinnen, wie man die anderen mehr liebt als das eigene Wissen. Wir müssen das Leben, seine Bande und Verbindungen mehr wahrnehmen.
Zur Zeit des hl. Franziskus von Assisi war die Lepra für viele Menschen, die an das Evangelium glaubten, ein Grund, die unter dieser Krankheit leidenden Menschen auszugrenzen und zu verachten. Der hl. Franziskus lehrt uns mit dem Kuss für den Aussätzigen (2Cel 9,9 – 11) und in seiner Bezugnahme darauf (2EP 58, 1ff) dass es notwendig ist, weiter zu sehen als das Immanente.
Es ist nicht richtig, beim Umweltschutz nur an Tiere, Pflanzen, Flüsse und Büsche zu denken. Wir müssen dabei immer vom Menschen ausgehen, der grundlegendes, ergänzendes und verantwortliches Element ist und sich am meisten für den Erhalt und die Achtung der Umwelt einsetzt, da die Qualität des Lebens von dieser abhängt.
Der hl. Franziskus empfiehlt seinen Brüdern, keine Tiere zu besitzen (RnB 15,1) und verbietet ihnen sogar zu reiten (RnB 15,2). Er geht so weit, die Beziehungslogik auf den Kopf zu stellen, wenn er sagt, dass wir uns den Tieren unterordnen und sie nicht unterwerfen dürfen (SV 17).
In vielen Arbeiten im sozialen und gemeinschaftlichen Bereich, in Projekten, die die Erziehung, Umwelt, Seelsorge, usw betreffen, hat die Franziskanische Familie menschlichere und solidarischere Perspektiven unterstützt, finanziert und entwickelt: eine Hilfe des Nordens an den Süden, des Westens an den Osten, um so einer friedlicheren, gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft zum Leben zu verhelfen.
Die auf der franziskanischen Spiritualität begründete Schöpfungsmystik kann uns zu einer neuartig - weisen eigenen Nachhaltigkeit führen, die unser Leben bereichert und mit einer neuen Bedeutung erfüllt, ähnlich dem Ausdruck und dem Gedanken, die wir im Sonnengesang finden und aufgrund derer wir uns faszinieren lassen und alles und alle mit dem tiefen Wunsch ansehen, zu lobpreisen.
Bibliographie:
QUELLEN DES HL. FRANZISKUS UND DER HL. KLARA. Artikel von Sergio M. Dal Moro; Übersetzung von Celso Márcio Teixeira [u.a.], Petrópolis: RJ, Vozes, 2004.
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Professor Rodrigues lehrt am Franziskanischen Universitätszentrum und dem Franziskanischen Kolleg der hl. Anna und hl. Maria, Rio Grande do Sul, Brasilien.
“ Was du dem geringsten unter meinen Brüdern getan hast, das hast du mir getan”.
(Mt.25.40)
Schwester Mello, FCC
In den allgemeinen Synaxisdiskussionen und – entschlüssen finden wir im Jahre 1986 Worte des Lobes für unsere Mitglieder und ihre Arbeit in abgelegenen Gebieten der Welt. Die Worte unseres Herrn berührten die Herzen vieler Schwestern, inspirierten und stärkten sie und verliehen ihnen die notwendige Energie, um alle denkbaren Risiken auf sich zu nehmen, wenn es darum ging, sich für verbesserte Lebensverhältnisse für unsere weniger privilegierten Brüder und Schwestern in Kenia einzusetzen.
Man schrieb das Jahr 1989, als eine kleine Schar von F.C.C. - Schwestern in der Pfarrei Mbiuni in dem Bistum Machakos in Kenia eintraf. Vier Schwestern folgten damals ihrer besonderen Berufung, nämlich den Menschen in Kenia in verschiedenen apostolischen Bereichen zu dienen. Ihre Saat trug bald Frucht, die noch weiter zu einem großen Baum heranwächst, der seine Äste bis in die weite Ferne ausstreckt. Heute dienen 48 Schwestern mit Profeß (Inderinnen) und 7 Juniorenschwestern in verschiedenen Aktivitäten in 5 Bistümern. Wir hoffen, dass wir in der Lage sind, auf die Bedürfnisse der Menschen dort einzugehen und ihnen mit unseren vielen verschiedenen Aktivitäten die befreiende Frohbotschaft unseres Herrn zu bringen.
Die Orte, die die F.C.C.-Schwestern auswählten
Das Gebiet, das den Schwestern anfänglich zugewiesen wurde, war eine endlos weite, von wilden Tieren bewohnte Wildnis. Dazu kam, dass es weder Wasserquellen noch Elektrizität gab und alles Reisen mit Schwierigkeiten verbunden war. Es war wirklich eine ganz abgelegene Region mit Trocken- und Halbtrockengebieten. Die meisten Arbeitsplätze findet man hier in der Landwirtschaft und und die Ernteergebnisse der Bauern hängen ganz davon ab, ob es regnet oder nicht. Das ganze Gebiet ist mit Dickicht bewachsen und in den Ebenen wächst viel Korn, das die Menschen als Futter für ihr Vieh brauchen.
All diese Schwierigkeiten konnten aber die selbstlosen und freudvollen Schwestern nicht davon abhalten, ihre Dienste anzubieten. Viele Menschen, die von der Arbeit der Schwestern beeindruckt waren, kamen mit wertvollen “Angeboten”zu ihnen, damit sie ihre Dienste auf andere Orte ausdehnen und so für die einheitliche Entwicklung der Menschen. Sorge tragen würden. Auch Bischöfe aus anderen Bistümern wollten uns in ihren Pfarreien haben. Unsere F.C.C. – Schwestern haben heute ihre Dienste auf folgende Bereiche ausgedehnt:-
Sozio-Ökonomische Bedingungen – wo die Wurzeln von F.C.C. zu finden sind:
Meist bieten wir unsere Aktivitäten in der Nähe der Berge und in den am wenigsten entwickelten Gebieten von Kenia an. Bei den Menschen dort handelt es sich meist um bitterarme Bauern, die um ihr Überleben kämpfen müssen, und einige wenige Geschäftsleute. Die Menschen leiden unter schlechten Ernten und fallen tödlichen Krankheiten wie Malaria, Gelbfieber, Tuberkulose und heute auch HIV/AIDS zum Opfer.
Das Transportwesen ist eines der Hauptprobleme. Auf dem Land sind die meistverbreiteten Transportmittel das Fahrrad oder der Ochsenwagen. In den Dörfern gibt es keine geteerten Straßen, sondern nur Straßen aus Erde, die in der Regensaison weggewaschen werden und dann unpassierbar sind.
Ausbildung ist in Kenia sehr teuer. Es gibt öffentliche und private Schulen, aber viele Kinder gehen nicht zur Schule und müssen auf eine gute Erziehung verzichten, weil die Schulen zu weit weg liegen und sie kilometerweit laufen müßten. Da die Regierung jetzt kostenlose Grundschulen eingeführt hat, gehen viele Kinder zur Schule, aber der Unterricht läßt noch viel zu wünschen übrig. Ein guter Teil unserer F.C.C. – Schwestern dienen ohne Bezahlung in dem Unterrichtswesen, um den Standard anzuheben. In einigen ländlichen Gebieten hat man uns Land geschenkt, damit wir dort Schulen bauen und eine gute Erziehung anbieten können. Es ist uns eine Freude, wenn wir feststellen können, wie “ungebildete” Dorfbewohner langsam aber sicher lernen und ihren Lebensstil anheben und ihr Verhalten “verbessern”.
Die besondere sozio-ökonmische Lage und die damit verbundenen Probleme:-
Polygamie wird hier kulturell akzeptiert, obwohl sie die Würde von Frauen und Ehe verletzt. So werden auch viele unerwünschte Kinder geboren, für die nicht gesorgt wird. Im Leben der Familien gibt es die verschiedensten sozialen Schwierigkeiten wie Polygamie, unverheiratete Mütter, Scheidung, frühes Versterben der Eltern, Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen und neue Eheschließungen führen zu vielen Waisen und Problemkindern, die in der Gesellschaft unerwünscht und unversorgt bleiben.
Diese Kinder leiden sehr. Sie selbst tragen keine Schuld, sondern ihre Eltern. Später können sie zu einer Gefahr für ihre Familien, die Gesellschaft und ihr Land insgesamt werden. Da sie keine gute Erziehung bekommen, sind sie anfällig für alle Arten von Krankheiten und und unerwünschtem Fehlverhalten wie Stehlen, Trinken, Rauchen, Vergewaltigung, usw. Kurz und gut, ihre physische, emotionale, geistige, moralische, spirituelle und kulturelle Entwicklung verläuft in eine falsche Richtung und läßt in ihnen Verzweiflung aufkommen.
Viele Organisationen wollen die Leiden dieser in diesen Gebieten lebenden vernachlässigten und benachteiligten Kinder lindern und ihre Lebensverhältnisse so weit wie möglich verbessern. Hinter all unseren Projekten steht die Überzeugung, dass wir die sozio-wirtschaftliche Entwicklung dieser leidenden Kinder fördern müssen, indem sie auf gute Schulen gehen können, in denen ihr Wachstum und ihre Entwicklung ganzheitlich gebildet werden. Wir haben schon Rehabilitationszentren erföffnet, in denen diese vernachlässigten, unerwünschten und mißbrauchten Kinder ein sicheres Zuhause, gesundheitliche Versorgung bekommen und in einer Umgebung leben, in der sie gut lernen können und die ein harmonisches Wachstum und Entwicklung ermöglicht.
Wir vergessen aber auch nicht die älteren Menschen in der Gesellschaft. Unsere Besuche zuhause in den Familien haben uns gezeigt, wie schlecht ihre Lage dort sein kann. Wir haben mit eigenen Augen gesehen, dass viele dieser älteren Menschen zuhause vernachlässigt werden und nicht für sie gesorgt wird. Viele dürsten nach “Liebe und Licht”. Unser Heim für ältere Menschen hat einige ältere Frauen aufgenommen.
Gesundheitliche Versorgung:-
Malaria ist die meistverbreitete Tropenkrankheit in Kenia, aber auch die Zahl der HIV/AIDS positiven Menschen steigt entsetzlich schnell von Tag zu Tag. Viele der von der Regierung herausgegebenen Veröffentlichungen und Plakate beschäftigen sich mit dieser tödlichen Krankheit. Gelder aus dem Ausland fließen tagtäglich zur Unterstützung dieser besonderen Patientengruppe nach Kenia. Trotzdem bleibt die Todesrate unveränderlich hoch. Geld ist kein Problem für uns in der Arbeit mit den Armen. Die Schwierigkeit besteht vielmehr darin, die “richtigen Kanäle für die richtige Sache” zu finden.
Viele Menschen auf dem Land leben zu weit von Krankenhäusern entfernt, ausserdem sind Medikamente und Behandlung sehr teuer. Unsere Ausgabestellen für Medikamente auf dem Land sind deshalb für viele der kranken und verwundeten Leute in diesen abgelegenen Gebieten ein wahrer Segen. Lokale und ausländische NGO’s sind bereit, den Organisationen Geld zu geben, die kostenlose Dienste für die Armen anbieten.
Abschluß.
Unsere Schwestern leben im Geiste unserer Gründer, unserem Vater Franziskus und unserer Mutter Klara, und dienen mit der gleichen Begeisterung wie unsere Gründungsmütter in ihrer Arbeit in den genannten Bereichen. Mit großem Eifer sind sie gekommen, um ihr Leben mit diesen verachteten, ausgeschlossenen, schwachen und kranken, geknechteten und bitterarmen Menschen zu teilen. Viele in diesen Orten lebende lokale Priester und Würdenträger achten unseren Lebensstil. Viele Menschen möchten mehr über unser Charisma herausfinden und lernen. Sie wissen, dass wir F.C.C: -Schwestern nicht unseren Dienst verrichten, um Geld zu verdienen, sondern einige unbekannte und versteckte Gründe uns dazu führen. Wir hoffen, dass wir die Sendung unseres Herrn Jesus Christus erfüllen können, Der sich für den Weg der Demut und der Kreuzigung entschied. Wir Schwestern sind sehr glücklich, wenn wir mit eigenen Augen sehen, dass wir vielen der Ärmsten und Geringsten in der Gesellschaft durch unsere geringen Dienste besonders helfen und diese starke positive Auswirkung auf die Zielgruppe erfüllt uns mit neuer Energie, um immer mehr Dienste anbieten zu können.
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Schwester Mello, FCC, ist Mitglied der Franciscan Clarist Congregation in Kerala, Indien. Sie wurde 2000 von dem Generalrat zur Ko-ordinatorin der Kongregation in Afrika ernannt. Sie dient seit 15 Jahren als Missionarin in Kenia. In den Jahren davor war sie Lehrerin an einer höheren Schule und diente unter anderem als Provinzoberin.
Der Herr schenkt uns das Jubiläum, den 25. Jahrestag der Verkündigung der TOR - Regel: Für uns ist das eine Zeit der Gnade, aber auch eine Zeit des Nachdenkens und des Zusammenfassens.
Der Wunsch, weiterhin das franziskanische Charisma zu teilen, führt uns dazu, uns über die Bedeutung der franziskanischen Spiritualität in der Zukunft und über mögliche Formen zu befragen, um sie sichtbar und konkret werden zu lassen. Das bedeutet, dass wir uns fragen müssen, ob unsere Spiritualität eine Zukunft hat, wie diese aussehen wird und welche Punkte am wichtigsten sein werden.
Wir sind uns bewusst, dass unser Charisma, seine Vitalität sowie sein Weiterbestehen in den Händen des Herrn liegt, und suchen auf diese Reflektion eine Antwort zu finden.
Die TOR - Regel erklärt einen grundsätzlichen Kern unserer ganzen Spiritualität und stellt ihn fest:
“Die Lebensform der Brüder und Schwestern vom Regulierten Dritten Orden des heiligen Franziskus ist diese: unseres Herrn Jesu Christi heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, in Armut und in Keuschheit” (Nr.1). Es gibt vielleicht keine einfachere Spiritualität als die franziskanische Spiritualität, (im italienischen heißt einfach semplice, simplex = ohne Falten), die sich von an Anfang an das Ziel gesetzt hat, das heilige Evangelium zu befolgen. Dieses ist das Herz, der Kern, der Sinn und Zweck des franziskanischen Charisma und man kann in jeder Zeit und an jedem Ort nach ihm leben. Es ist eine Gabe, gleichzeitig aber auch eine Aufgabe, die der Heilige Geist Franziskus und denjenigen, die ihm folgen, anvertraut hat - eine Gabe, die der ganzen Kirche zu Gute kommt. So ist die Tatsache, dass wir es befolgen können, die es uns ermöglicht, an die Bedeutung unserer Spiritualität in der unmittelbaren, aber auch ferneren Zukunft zu denken.
Die Hoffnung drängt sozusagen in der Wahrheit, damit die Präsenz und Wirkung der franziskanischen Spiritualität in der Kirche und Geschichte eng mit der Liebe und Treue zum Evangelium, der radikalen Entscheidung für das Evangelium in toto e sine glossa verbunden sein wird.
Was bedeutete es für den hl. Franziskus, das Heilige Evangelium zu befolgen, wenn nicht, sich im Körper und Geist in einen alter Christus verwandeln zu lassen? Das heißt also für uns, die wir sein Charisma teilen, dass wir den Ruf annehmen und uns nach dem Herrn Jesus Christus richten müssen. Diese Verwandlung vollzieht sich in der lebendigen und für mich und die anderen erlösenden Beziehung zu dem wiederauferstanden Christus.
Indem wir Folge leisten, entwickelt sich die lebendige Treue zur Kirche, die sich in der Liebe zu den Ärmsten ausdrückt: “Denn die Brüder und Schwestern sind dazu berufen, die Verwundeten zu heilen, die Gebrochenen zu verbinden und die Verirrten zurückzuholen. Diese Liebe ist in die Liebe zur Kirche eingebettet: “ Die Brüder und Schwestern versprechen Gehorsam und Ehrerbietung dem Papst und der katholischen Kirche (…). Auch sollen sie die Einheit und Gemeinschaft mit allen Gliedern der franziskanischen Familie pflegen” (Nr. 3) und “Und immer der Heiligen Kirche untergeben, feststehend im katholischen Glauben, sollen sie die Armut und Demut und das heilige Evangelium unseres Herrn Jesu Christi beobachten” (Nr. 32). Wahrscheinlich werden die Treue zur Kirche und die Liebe für die Ärmsten auch weiterhin die privilegierten Wege sein, auf denen neue Lebens- und Ausdrucksformen unserer Spiritualität entstehen werden.
Wir können in unserem Brüder- und Schwestersein, d.h. als Menschen, die aufgerufen sind, Beziehungen der Gemeinschaft und der Liebe aufzubauen, die Verwundeten zu heilen, die Gebrochenen zu verbinden und die Verirrten zurückholen. Gerade weil wir Franziskaner/innen sind, können wir nicht gefühllos oder gleichgültig bleiben angesichts einer Menschheit, die immer verlorener, verletzter, niedergeschlagener, orientierungsloser ist, die vom Weg abgekommen ist, nicht mehr von der Wahrheit geführt wird und nicht mehr den Wert des Lebens kennt. Das ist der "Schrei", der an uns gerichtet wird, damit wir darauf hinwirken, dass viele Brüder und Schwestern in uns entdecken, dass sie Gott begegnen können. Der Herr Selbst zeigt uns den Weg und die Art und Weise: Es ist die Logik der Menschwerdung, der Liebe, die uns drängt, zu teilen und die Bürde anzunehmen. Während die Menschheit immer mehr von der Logik des Egoismus und des Individualismus geprägt wird, ist das franziskanische Charisma aufgerufen, immer wahrhaftigere Lebensformen der Gemeinschaft und Treue zur Kirche zu suchen. Dies muss in unseren Fraternitätgen beginnen: wir müssen eine Haltung der Annahme des Heiligen Geistes einnehmen, dessen Hauch uns immer hin zum Guten für die Kirche und Menschen drängt.
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Schwester Maria Stella Carta, SS, Suore della SS.ma Madre Addolorata.
GIn die Zukunft schauen... Kein menschliches Wesen kann ahnen, wie eine Spiritualität auch nur morgen ausschauen mag. Aber hier gibt es auf jeden Fall einige wichtige Punkte für mich. Nur ein Paar einfache Dinge:
Als Mensch in der Welt sein, als eines von Milliarden Kinder Gottes zu leben, ist der erste Punkt in unserer Berufung. Ich ermutige euch alle, diese göttliche Liebe zu erfahren, in ihr zu leben und die göttliche Liebe zu zeigen,die uns geschaffen hat und uns väterlich gesinnt ist. Es ist so einfach zu erkennen, dass Gott der Vater ist und dass wir alle als menschliche Wesen einzigartige, unnachahmbare Personen sind. Jeder von uns muss diese Würde anerkennen,darauf stolz sein und sie auch in den Mitmenschen achten.
Als Christ in der Welt sein, bedeutet für mich die Freude, erlöst zu werden und alles zu tun, damit auch Andere gleiches erfahren dürfen. Mit der Taufe wird dieser Teil unseres Lebens zum ersten Teil, zur ersten Phase in unserem ewigen Leben. In dieser Hinsicht kann für uns nichts wichtiger in dieser Welt sein, als zu Zeugen des Evangelium in unserem Gebet, in unserer Arbeit und in unserer Gemeinschaft zu werden.
Franziskaner/Franziskanerin in dieser Welt zu sein. Dieser Punkt scheint offensichtlicher zu sein, da wir einen seraphischen spirituellen Vater haben, der uns ein Beispiel setzte, wie wir in den Fussstapfen Christi nachfolgen müssen. Für uns als Franziskaner/Franziskanerin bestand da aber immer die Versuchung, anstatt Christus Franziskus nachzufolgen. Vielleicht sollten wir in Zukunft besonders darauf achten. Solange die Führungen in der heutigen Welt sich von Gott abwenden, dürfen wir nicht unsere Berufung vergessen, die immer auf Christus hingerichtet sein muss. Wenn wir den hl. Franziskus anschauen, müssen wir uns daran erinnern, dass unsere Aufmerksamkeit auf Christus gerichtet werden muss und unsere franziskanische Berufung ein Lebenstil ist, ein Mittel, aber weder Zweck, noch Beginn oder Ziel. Wie der hl. Franziskus sagte: “Brüder, laßt uns beginnen zu lieben…. “-
Gut, aber wie sollen wir das tun? Wie könnten die Antworten auf die jetzigen Fragen der Welt aussehen, die einen Weg in die Zukunft weisen. Ich werde versuchen, euch einige meiner einfachen Ideen mitzuteilen.
Global denken – lokal handeln. Überall auf der Welt sind die Umstände anders. Heute können wir das an jedem Ort um uns herum sehen: lokal denken, global handeln. Alle Wirtschaften, die Kultur, selbst manchmal auch die Religion scheinen den Menschen als Individuum, das Wohl des einzelnen Menschen zu vergessen. Je weiter die Dinge ihre Kreise ziehen, desto mehr persönliche Beziehungen gehen verloren. Ich weiß, dass der globale Handel nützlich ist, aber unsere Berufung ist es, uns für die Bedürfnisse auf lokaler Ebene zu interessieren. Unsere kleinen Schritte müssen sich mit “dem Scherflein der Witwe” befassen.
Die individuelle Art des Denkens von heute löst die brüderlichen Bande und trennt uns voneinander. Hier wird verschwiegen, dass sie die Menschen auch von Gott trennt. Deshalb ist Brüderlichkeit so wichtig: die gleichen Bande, die die Beziehung zwischen den Menschen stärken, festigen auch die Bande zwischen Gott und den Menschen. Um es mit anderen Worten zu sagen: Jeder, der sich im Gebet und in der Kontemplation an Gott bindet, wird zum Instrument Gottes im brüderlichen Leben und in den menschlichen Beziehungen.
Die liberale Denkensweise, der Liberalismus zeigen sich oft im Gewand der Freiheit. Gottes Freiheit ist immer gleich, sagt man, aber stimmt das wirklich? Die einzige wirkliche Freiheit ist die Freiheit der Kinder Gottes. Wer steht da im Mittelpunkt? Der Herr oder ich? Frei sein heißt, dass ich akzeptiere, dass es Gott war, Der mir Sein Gesetz und Seine Liebe gab. Es geht nicht an, dass man heute in der Welt sagt: deine eigenen Gesetze und deine eigene Liebe. Ich gehe nicht auf eigenen Wegen, sondern es ist Gott, Der mir eine Perspektive, ein Ziel, eine Richtung gibt. Anstatt in eine Sackgasse hinein, gehen wir auf einem Weg, den zu gehen sich lohnt und der uns in die Zukunft führt.
Das II. Vatikanische Konzil ermutigte die spirituellen Bewegungen und religiösen Orden, die Wurzeln ihrer Spiritualität neu zu entdecken. Ich fordere euch ebenfalls auf, wieder zu bedenken, wie reich unsere Tradition ist und wie viel wir von unseren Vorvätern lernen können. Wir können lernen:
Von dem hl. Franziskus können wir lernen zu entdecken, dass Gott unser Vater ist und wir alle seine Kinder sind. Diese Brüderlichkeit mit allen Geschöpfen ist die Garantie, dass wir eine Zukunft haben
Von dem hl. Bernhard von Siena, dass wir unsere Augen wieder auf den Namen Jesu lenken und uns in Erinnerung rufen, dass in unserem Glauben, in unseren Religion eine Person und nicht bloß eine Theorie im Mittelpunkt steht. Nur ein Mensch, dessen Liebe alles überdauert, ist imstande, wirklich zu lieben.
Von der hl. Elisabeth von Ungarn, dass wir auch wie sie immer in guten und schlechten Zeiten des Lebens davon überzeugt sind, dass Gott nie jemanden vergißt.
Aus der Vergangenheit lernen, in der Gegenwart leben und in die Zukunft blicken. Diese drei Punkte sollen uns inspirieren, dass wir das Ruder in die Hände nehmen und den Kurs unseres Boots auf die hohe See setzen.
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Tibor Kauser, SFO, lebt in Ungarn. Seit 18 Jahren ist der als freiberuflich tätige Architekt säkularer Franziskaner.
Die franziskanische Fraternität wurzelte in der Evangelischen Caritas (Rnb.9. 13, Rb. 6, 10, 1Cel.38). In der franziskanischen Fraternität gab es eine Gegenseitige Annahme, die die hl. Klara für ihre eigenen Gemeinschaften übernahm (Kl.Assi.51, 1Test.). Gegenseitige Achtung und Treue allen gegenüber war das Merkmal der franziskanischen Gemeinschaft (Am.15, Rb.7). Gegenseitige Verfügbarkeit allen gegenüber ist die Folge, wenn jemand auf alles verzichtet und dem Herrn nachfolgt. Ein völliger Verzicht läßt uns offen und verfügbar sein in der Hilfe für und Zusammenarbeit mit den Mitmenschen. Die Worte “Armut vereint und Reichtum trennt und entfremdet” finden hier ihren Platz (Rnb.9, 3,2Cel.180). Völlige Gleichheit, die verlangt, dass man die Unterschiede zwischen gebildet und ungebildet, geringen und großen, gelehrten und unwissenden, höher und niedriger gestellten Menschen abschafft, ist ein schönes Konzept der franziskanischen Brüderlichkeit (2Cel.191). In diesem Sinne ist der Gedanke des hl. Franziskus zu verstehen, nämlich dass die “Höheren Diener aller sind” (Rnb.6,3). Brüderlicher Dialog und Zusammentreffen sind die anderen Hauptmerkmale, die wir so reichlich in der franziskanischen Brüderlichkeit finden. Jemand, der auf das Wort Gottes hört und darüber meditiert, befindet sich im Dialog mit Gott und den Mitmenschen (1Cel.20, 30.Rnb.18). Dieser Dialog mit Gott sollte auf die Menschen aller Glauben, Religionen, Konfessionen und selbst auf die Schöpfung ausgedehnt werden. Deshalb finden wir auch, dass Franziskanische Brüderlichkeit allen gegenüber offen ist: Dieben, Briganten, Freunden und Fremden, Kranken (Aussätzigen) und Gesunden, Armen und Reichen (Rnb.7, 15). Der hl. Franziskus befahl seinen Brüdern, allen Menschen freundlich zu begegnen und alle, so wie sie sind, mit ihren Stärken und Schwächen zu achten (Rb.3, 11-12). Daher haben wir eine franziskanische Brüderlichkeit, die der ganzen Schöpfung gegenüber offen ist (1Cel.60, 61, 77-79).
Wenn wir diese charakteristischen Merkmale im Leben umsetzen und in brüderlich/schwesterlichen Beziehungen leben, die auch auf dem Evangelium aufbauen (vgl.Joh.15:12, Lk.6:27, Joh.17:21, Mt.18:22, Mt.5:41), wird uns zugleich der beste und vielleicht auch neue Weg gewiesen, wie wir in der franziskanischen Spiritualität leben können. Wenn wir diese franziskanischen Werte in unserem Leben verkörpern, dann werden wir sicher zu “echten”Franziskanern/Franziskanerinnen und wenn wir diese Werte so leben, dass das ganze Gottesvolk es sehen und erfahren kann, dann werden alle Zweifel, ob die franziskanische Spiritualität in Zukunft von Bedeutung sein wird, weggefegt. In dem Zeitalter der Atomkraft verfügen wir zwar über das Wissen, wie wir die Menschheit zerstören können, wissen aber nicht, wie wir wieder die Stücke zusammenfügen können. Das Ziel der Spiritualität, der franziskanischen Spiritualität, ist es aber genau, die zerbrochenen Stücke der Menschheit wieder zusammenzufügen.
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Xavier Anthony, CMSF, studiert im letzten Jahr (Lizentiat) Franziskanische Spiritualität an der Pontificia Universita Antonianum in Rom. Er gehört der Kongregation der Franziscan Missionary Brothers an, die 1901 gegründet wurde, um Entwicklungsarbeit in Indien zu leisten. Er ist ein gut geschulter Ausbilder und leistete mehrere Jahre lang seine Dienste in verschiedenen Ausbildungshäusern der Kongregation.

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