![]() Name der Publikation PROPOSITUM Band 12 - Nr. 1 - September 2009 |
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ILeitartikel
Einleitung
P. James F. Puglisi, SA – Präsident IFC-TOR
IFC-TOR Generalversammlung – 2009
Eröffnungsritual - Homilie
Msgr. Domenico Sorrentino – Bischof von Assisi
Eröffnungsvortrag
P. Anthony J. Gittins, CSSP
Gesammelte Eindrücke der fünf Sprachgruppen
Zusammengefasst durch Br. Eduard Quint, cfh;
Sr. Regina Pröls; Sr. Jessy Augustine Payyapilly;
Sr. Paulina Aguirre, fhm; Sr. Marie Simone Boulanger
und Sr. Catherine Parrotta,frjh
Lobgesang der Störenden Präsenz
Zusammenfassung: Sr. Margaret Eletta Guider, OSF
Schlusserklärung
Empfehlungen der Generalversammlung
für 2009-2013
Abschlussliturgie – Homilie
P. Pietro Sorci, OFM
Störe uns, Herr, wenn wir zu selbstgefällig sind …
Sir Francis Drake zugeschrieben – 1577

Diese Ausgabe von Propositum bringt Ihnen ein allumfassendes Bild der Generalversammlung der Internationalen Franziskanischen Konferenz der Brüder und Schwestern des Regulierten Dritten Ordens des hl. Franziskus, die vom 16.-22. Mai 2009 in Assisi tagte.
Das Thema der Generalversammlung: Zu einer störenden Präsenz in der heutigen Welt werden: Christus, durch Franziskus, Klara und ... Mich! ist eine echte Herausforderung. In Wirklichkeit will niemand von uns gestört werden. Unsere menschliche Natur möchte ein sehr ruhiges und reibungsloses Leben. Und wir möchten auch nicht andere durch unser Tun und unsere Gegenwart stören. Andererseits aber gibt es eine ‚selige Störung’. Diese Störung in unserem Leben verändert unsere Einstellung, Perspektive, Lebensweise, und schließlich werden wir eine störende Präsenz in der Welt in „der Präsenz“. Die Worte des von Gott gesandten Engels Gabriel haben Maria zutiefst gestört (vgl. Lk 1:26-29). Franziskus und Klara erlebten diese Art Störung in ihrem Leben und wurden zu einer störenden Präsenz in der Welt ihrer Zeit und auch noch heute.
Wir hoffen, dass diese selige Störung in unserem Leben uns dahinführt, unsere Vision und unser Charisma zu vertiefen. Sie bringt auch eine gewisse Umwandlung, die uns Hoffnung und Begeisterung für ein neues Leben einflösst.
Wir nehmen diese Gelegenheit wahr, dem aus dem Amt scheidenden IFK-TOR-Rat unseren herzlichen Dank auszudrücken und wir gratulieren dem neuen Rat..
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt (Joh 15:16).
Sr. Daria Koottiyaniel FCC

Linke Seite:
Sr. Jessy Augustine Payyapilly, AFBP
Sr. Janet Gardner, OSF (Vice President)
Fr. James F. Puglisi, SA (President)
Sr.Louise Hembrecht, OSF
Sr. Doreen D’Souza, UFS
Sr.Mary Xavier Bomberger, OSF
Introduction
Diese Nummer von Propositum bringt die Ergebnisse der Generalversammlung der Internationalen Franziskanischen Konferenz der Brüder und Schwestern des Regulierten Dritten Ordens des Hl. Franziskus.
Die Versammlung bot den Generalobern/-oberinnen oder Delegierten von 101 Kongregationen, die nach der TOR-Regel leben, die Möglichkeit, zusammenzukommen und darüber nachzudenken, wie unsere TOR-Regel und forma vitae die Welt, in der wir leben, stören bzw. aufrütteln soll.
Das Thema leitet sich vom Verstehen dessen ab, was mit Franziskus und Klara durch ihre Begegnung mit Christus geschah.
Franziskus begegnete Christus inmitten eines Lebens voller Betriebsamkeit, das um sich selbst kreiste. Er fühlte sich nie glücklich. Er ahnte, dass es mehr gab, doch wusste er nicht was es sein konnte, bis er Christus am verfallenen Kruzifix in San Damiano begegnete. Diese Begegnung rüttelte ihn zutiefst auf, doch konnte er mit seinem Denken und in seinem Herzen den Sinn nicht voll erfassen. Er begriff (oberflächlicherweise), dass er herausgefordert war, das Haus Gottes wieder aufzubauen. Mit seiner Erfahrung war es wie mit einer Zwiebel, die man Schicht für Schicht schält, bis nichts mehr da ist. Indem er die Schichten seiner äußeren Person abschälte, stand er schließlich nackt da, nicht nur vor seinem leiblichen Vater, sondern auch vor diesem Christus, der ihn gerufen und gestört hatte, bis er mit seinem wahren Sein konfrontiert war.
In seinem Innersten begann Franziskus diesen „Frieden, der stört“, zu erfahren. Sein Sorgen wandte sich von irdischen Vergnügen ab hin zum Suchen nach vollkommener Freude im Dienst an dem, was ihm am meisten Abscheu erregend war. Er fand Glück in der Armut, im Dienen, im Selbstvergessen vor Gott, im Leerwerden von sich selbst, um Platz zu schaffen für den Anderen. Er trat auf als eine Präsenz in der eigenen Gesellschaft, die viel Störung verursachte. Es war, als ob er langsam zu der gleichen störenden Präsenz wurde, die diese radikale Änderung in seinem eigenen Leben ausgelöst hatte. Es ging so weit, dass manch einer glaubte, er sei von Sinnen; andere fürchteten ihn wegen des radikalen Zeugnisses, das er gab und seines tief gehenden Blickes, der durch das härteste Äußere brannte und den anderen in Liebe umfing. Er wusste in allen Situationen, dass sein Leben in der Nachfolge Jesu anders sein musste; es musste so radikal sein, dass es ihn schließlich zu der Erkenntnis der Liebe Christi hinführte, die für Sünder - wie er - am Kreuz sichtbar wurde. Er sehnte sich danach, auf physische Weise mit dem Gekreuzigten vereint zu werden. Mit der Gnade der Stigmata, sagt Bonaventura, im Augenblick der mystischen Vereinigung: „Franziskus wurde zum Gebet.“
Noch vor Franziskus ist auch Klara dem Christus der totalen Liebe begegnet. Sie wurde zu einer Präsenz, die ihre ganze Hausgemeinschaft und all die Hofdamen von Assisi störte, indem sie die altehrwürdigen Traditionen für Frauen der mittelalterlichen, feudalen Gesellschaft durchbrach. Ihr Mut verursachte Aufregung unter den kirchlichen Autoritäten. Klara lehrt uns schauen, nachzudenken, zu betrachten, wenn wir ihr nachfolgen wollen. Zu schauen bedeutet, durch das verändert werden, was wir anschauen. Ihre Ausstrahlung war ihre Armut, ihre Einfachheit, ihre brennende Liebe zu Christus, die sie befähigte, alles auf der Suche nach ihrem Geliebten zu verlassen. Beide zusammen, Klara und Franziskus, stellten die Kirche, die Gesellschaft und die Welt auf den Kopf.
Wie können wir, als Franziskaner/ Franziskanerinnen die Welt, in der wir leben, stören? Wie bringen wir pax et bonum so, dass unsere Gegenwart andere zum einzig wahren Frieden und zum höchsten Gut hinführt? Auf welche Weise stört uns Gott, indem er uns durch den Heiligen Geist beruft, die Regel, die uns Leben gibt, neu zu leben? Welche Seufzer hören wir, indem der Geist unserer TOR-Regel neues Leben für die kommenden Generationen einhaucht? Glauben unsere Kongregationen genug an die Büsser-Bewegung, die Franziskus und Klara in ihrer Zeit lebten, um aktiv andere einzuladen und zu rufen, dieses Leben in unserer Zeit zu leben? Beten und bitten wir als Franziskaner/Franziskanerinnen, wach zu werden, gestört zu werden durch den Schrei der Aussätzigen von Heute, den Schrei der neuen Armen heute, den Schrei der Unschuldigen und Schutzlosen heute und den hautnahen Schrei unserer Schöpfung nach Schutz und Erlösung? Wie werden wir eine störende Präsenz durch unseren Dienst? Was geschieht mit den Propheten in unserer eigenen Kommunitäten, die es wagen, Möglichkeiten zu erträumen und die fragen: „Was, wenn?“ und „Warum nicht?“. Können wir die Wege sehen, die zurückführen zu Christus durch eine Vielfalt an Kulturen, so dass wir unsere Geschichten miteinander verflochten entdecken in der einen, großen Geschichte Jesu? Das sind einige der Fragen, die wir uns während unserer Woche in der Versammlung stellten. Wir fingen an, ein neues Kapitel unseres Franziskanischen Lebens zu schreiben, worin wir uns verpflichten, neue Mitglieder einzuladen und zu formen, zu folgen – nicht in unseren Fußstapfen – sondern als störende Jünger/Jüngerinnen in den Fußstapfen Christi.
Nach der Grundsatzrede von P. Tony Gittins CSSp reflektierte die Versammlung in fünf Sprachgruppen über einige dieser Fragen. Das Ziel war, eine Vision für die TOR-Kongregationen für die kommenden Jahre zu formulieren und Empfehlungen an den neugewählten IFK-TOR-Rat zu geben.
Kontemplatives Gebet aus den Franziskanischen Quellen und lectio divina, gemeinsame Reflexion und Meditation des echten Wortes, das uns Leben und Gedeihen gibt, waren auch Teil unserer gemeinsamen Tage. Die IFK-TOR hat diese auf der Website (www.ifc-tor.org) zugänglich gemacht, so dass Ihre Kommunitäten auch an der Erfahrung teilnehmen können, die für die ganze Versammlung lebensspendend war.
Wir ermutigen Sie alle, sich die Aussagen über unsere Vision und die Empfehlungen zu Herzen zu nehmen und Wege zu finden, sie in Ihren eigenen Kongregationen zu verwirklichen. Sie könnten auch für Meditation und Reflexion in Ihren zukünftigen Versammlungen dienen.
Fr. James F. Puglisi, SA
Vorsitzender, IFK-TOR
Mons. Domenico. Sorrentino
Bischofs von Assisi
Assisi, 16 Mai 2009
Liebe Brüder und Schwestern, als Bischof von Assisi möchte ich Sie zu allererst willkommen heißen. Da Sie Franziskaner/Franziskanerinnen sind, nehme ich an, dass Sie sich hier zuhause fühlen. Ich möchte Sie im Namen der ganzen Gemeinde der Diözese willkommen heißen.
Das Thema Ihrer Versammlung ist sehr anregend: zu einer störenden Präsenz in der heutigen Welt werden: in Christus durch Franziskus, Klara und … Mich!
Wir müssen wohl zugeben, dass wir dazu neigen, ein Christentum, das nicht stört, vorzuziehen. Wir haben Angst, dass wir durch die Verkündigung des Evangeliums in seiner Radikalität die Einwilligung der Gesellschaft verlieren. Wir machen den Glauben annehmbar und vermeiden den Skandal des Kreuzes, welcher der Skandal der Liebe ist. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahin gab“ (Joh. 3:16).
Wir müssen die Kraft dieser Verkündigung wieder entdecken. Das Wort Gottes bietet uns eine Hilfe.
Wir haben soeben gehört: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann es noch gesalzen werden? Es ist nutzlos geworden“ (Mt. 10:34).
Wir können den gleichen Gedanken im Lichte anderer Worte Christi meditieren.
Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Frage des Friedens, der in der franziskanischen Spiritualität so wichtig ist.
Es ist Pflicht, den Frieden zu verkünden. Aber was bedeutet Frieden? Im Evangelium finden wir Worte, die einander zu widersprechen scheinen.
Wenn Christus den Frieden verspricht, fügt er hinzu, dass sein Frieden anders ist, als der Friede der Welt: „Frieden gebe ich Euch; meinen Frieden gebe ich Euch, nicht wie die Welt ihn gibt“ (Joh. 14:27).
Die Eigenart des Evangeliums ist es, nicht von dieser Welt zu sein. Es ist eine Botschaft von Frieden. Doch dieser Friede muss erkämpft werden.
Christus ist ein Zeichen des Widerspruchs. Der Apostel Paulus bestätigt das auch. In Athen versuchte er, einen christlichen Glauben zu verkünden, der angenommen werden konnte. Auch wir müssen versuchen, von den Menschen unserer Zeit verstanden zu werden.
Paulus erfuhr aber, dass es eine Grenze gibt, wo die Verkündigung zum Zeichen des Widerspruchs wird. Die Verkündigung in Athen war ein Misserfolg. Als er in Korinth predigte, sprach er von Anfang an über den gekreuzigten Herrn.
Christ sein heißt, Störung verursachen. In einer Zeit der neuen Evangelisierung müssen wir diesen Charakter wieder entdecken.
Wer kann uns darin mehr helfen als Franziskus – zusammen mit Klara?
Während seines Besuchs in Assisi lud uns Papst Benedikt XVI. ein, das Leben und die Botschaft des Poverello zu lesen, angefangen von seiner Bekehrung. In seinem Testament spricht Franziskus von seinem ganzen Leben als ein Leben der Buße: ein Leben der Bekehrung. Und für Franziskus bedeutete Bekehrung, nach dem heiligen Evangelium zu leben, so leben wie Christus es tat.
Es ist paradox, dass unsere Darstellung von Franziskus manchmal annehmbarer ist als unsere Darstellung von Christus. Es ist paradox, doch verständlich. Wir können Franziskus als einen großen Mann ehren und akzeptieren; er hat eine wichtige Botschaft bezüglich Themen, die für unsere Gesellschaft von Bedeutung sind: Ökologie, Frieden, interreligiöser Dialog. Christus ist nicht nur ein großer Mensch: er ist Gott-Mensch, das fleischgewordene Wort.
Die Radikalität des Lebens des Franziskus und die Radikalität der Armut in der Spiritualität von Klara können nicht verstanden werden, wenn wir nicht bei Christus anfangen. Für Franziskus und Klara war Christus alles.
Nur so verstehen wir seine symbolische und prophetische „Entkleidung“ vor dem Bischof Guido in dem Haus, wo ich das Privileg habe, zu wohnen. Nur so können wir verstehen, dass er totale Armut wählen wollte und nackt auf der nackten Erde in diesem heiligen Ort der Portiuncula sterben wollte.
Franziskus entschied sich für eine störende Präsenz, weil er sich für Christus entschied.
Es ist mein Wunsch und mein Gebet, dass Sie, während Ihrer Versammlung, auf die Stimme des Gottes Geistes hören können, um die besten Wege herauszufinden, Zeugen für Christus zu sein, ohne sich davor zu fürchten, eine störende Präsenz in der heutigen Welt zu sein.
Anthony J. Gittins, CSSp
WILLIAM WORDSWORTH (1770-1850)
William Wordsworth war ein Dichter der englischen Romantik, ein naturverbundener Dichter. Obwohl man ihn als herkömmlichen Christen beschreiben kann, hatte er eher mehr Achtung vor der „Natur“ als vor „Gott“ und mehr vor „Geistwesen“ als vor „Heiligem Geist“. Er glaubte wohl an einen Geist der Natur oder irgendein Wesen, das viel größer war als er selbst oder die Menschheit, und auch an die Auffassung, dass jeder Mensch einen moralischen Kern und eine moralische Verantwortung hatte.
Als junger Mensch reiste er kurz nach der Französischen Revolution von 1789 nach Frankreich in der Hoffnung, dort spürbare Zeichen der liberté, égalité und fraternité, die ihre Parole gewesen war, zu entdecken. Den Gräuel, das Blutvergießen und die fortbestehende Unzufriedenheit und Ungerechtigkeit, die er dort fand, ernüchterten ihn sehr. Nachdenklich, vielleicht niedergeschlagen, nach England zurückgekehrt, wanderte er zu Fuß die Grenzen von England und Wales entlang und schrieb unter anderem das bekannte Gedicht mit dem Titel Tintern Abbey. Es handelt nicht von der Abtei, sondern geht über seine eigenen Gedanken und enthält die folgenden Zeilen, die er 1798 im Alter von 28 Jahren schrieb:
Gelernt
ich habe, zu betrachten die Natur
nicht mehr gedankenlos wie in der Jugend,
vernehmend oftmals nun den ruhigen,
getragenen Gesang der Menschheit…
hab gefühlt, dass etwas da
ist, das mich aufrührt mit der Freude, die
aus den erhabenen Gedanken kommt:
Gespür von etwas, das viel tiefer ist …
in des Menschen Geist:
Bewegung ist es, Antriebsfeder der
vernunftbegabten Wesen, alles dessen,
was je ein Gegenstand des Denkens war:
Es ist der Geist, der alles Sein durchströmt.
Als Kleinseminarist (1957-61) wohnte ich in „Wordsworth-Land“, im Lake District im Norden Englands. Ich habe damals auch dieses Gedicht und andere von Wordsworth studiert. Aber erst Jahre später, in den 90-er Jahren, habe ich es wiederentdeckt, und die Gedanken/Gefühle darin wirkten viel tiefer auf mich ein, forderten mich heraus. Darum machte ich 1998 – zum 200. Jahresgedächtnis des Gedichts – eine Pilgerreise nach Tintern Abbey, eine Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert, die seit der Zeit des Königs Heinrich VIII. um 1530 eine Ruine ist. An einem kalten Morgen bin ich über einen Eisenzaun geklettert und saß, mit dem Gedicht in der Hand, im kahlen, zerstörten Chor der Abtei. Als Teil meiner Meditation an dem Morgen bat ich Gottes Geist, mich etwas Ähnliches wie Wordsworth fühlen zu lassen: „... eine Gegenwart, die aufrührt“ („a presence that disturbs“).
EIN GOTT, DER AUFRÜTTELT
Das Bild der „stillen, traurigen Musik der Menschheit“ und der „Bewegung, Antriebsfeder der vernunftbegabten Wesen“ schwang tief in mir nach an jenem Tag und an den nachfolgenden Tagen und ich spürte eine wachsende Klarheit in meinem eigenen Denken über Gott, über die Antwort der Menschen und über menschliche Verantwortung überhaupt. Dies kristallisierte sich als drei ziemlich einfache Ideen heraus: Gott ist ein Gott, der stört; wir müssen darum bitten, gestört zu werden; und wir müssen unsererseits zu einer störenden Präsenz werden.
EIN GOTT, DER AUFRÜTTELT
Die Hebräische Bibel sagt uns immer wieder und in vielen verschiedenen Worten und Bildern, dass der Gott des Volkes Israel kein Deus Otiosus, ein zurückgezogener oder ferner Gott war, sondern ein Gott der Beziehung, des Beteiligtseins, des Bundes und der Treue. Gott sucht ständig sein Volk anzusprechen und von ihm gehört zu werden, es vorwärts zu führen und seine Irrwege zu verzeihen, es nicht allein zu lassen, nicht zu verlassen. Immer wieder versichert Gott dem Volk: „Selbst wenn eine Mutter ihr Kind vergessen würde: ich vergesse dich nicht” (Jes 49:15); “Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren” (Ps 137:5); “Mein Volk, ich vergesse dich nicht” (Jes 49:15); “Der Herr vergisst nicht den Bund” (Deut 4:31); “Gott denkt an die Armen, und ihren Notschrei vergisst er nicht” (Ps 9:13); und so weiter. Da Gott ein Gott der Beziehung ist, der Beziehungen zu erhalten sucht, und da Menschen oft so selbstgefällig oder vergesslich sind, muss Gott stören, um die Beziehungen aufrecht zu erhalten.
WIR MÜSSEN GOTT BITTEN, UNS ZU STÖREN:
Der Gott, der stört, übt jedoch nie Macht aus. Gott wird niemals einen Menschen gegen seinen Willen zwingen, sondern wird die Einladung zur Beziehung wiederholen, und er verzeiht sogar unbegrenzt. Daher, wenn Menschen in Beziehung zu Gott, der Beziehung anbietet, sein wollen, müssen sie selbst die Störung suchen, erbitten und wählen. Das nicht tun, heißt, sich entscheiden, allein zu sein, ohne Beziehung zu sein. Nur diejenigen, die sich stören lassen wollen oder die dazu bereit sind, werden in angemessener Weise von einem liebenden, barmherzigen, Beziehung suchenden Gott gestört. Der Bibelwissenschaftler James J.G. Dunn formuliert es treffend: „Die Dringlichkeit des Rufs Jesu hat eine störende Natur, ein Aufrütteln des Fundaments, welche die, die ein ruhiges Leben wollen, mit Sicherheit übel nehmen und widerstehen.“ Mit anderen Worten: Gott mag uns wohl beharrlich stören (weil es manchmal etwas länger braucht, bevor wir es merken oder darauf antworten), aber wir können trotzdem noch vorziehen, uns zu ärgern und zu widerstehen, statt einzuwilligen und mit Gott mitzuwirken.
WIR MÜSSEN ZU EINER STÖRENDEN Präsenz werden
Trotzdem ist es nicht genug, dass wir einfach die störende Gegenwart Gottes merken und dabei versuchen, den status quo ante zu erhalten: eine bequeme, exklusive oder private Beziehung zu Gott. Ein Hauptgrund, warum Gott uns stört, ist, um uns zu rufen und zu senden, uns mit Gottes Welt und Gottes Volk zu befassen: ein Zeichen von Gottes Gegenwart in der Welt zu sein. Der Ruf, den wir als Berufung bezeichnen, ist nur ein Teil eines Zyklus (den wir gleich betrachten werden). Es wäre also völlig unpassend, wenn wir stören würden, indem wir unseren Einfluss geltend machten. Jüngerschaft geht nicht einfach nur um uns: wir dürfen keine selbstgefällige oder auf uns selbst gerichtete Störung werden, sondern eine angemessen göttliche Störung. Nur dann werden wir uns wirklich der Sache Gottes hingeben, für Gott engagiert sein und im Sinne Gottes wirken. Mir scheinen diese Reflexionen überein zu stimmen sowohl mit einigen von Wordsworths eigenen Gedanken als auch mit der grundlegenden christlichen Auffassung von sozialer Verantwortung: wir sind die Hüter unserer Brüder und Schwestern.
ZU EINER ANGEMESSENEN STÖRUNG WERDEN
Wie wir genau eine angemessene Störung werden sollen, muss in den realen Umständen unseres Lebens entschieden und ausgeführt werden. Oder aber, wir entdecken es, wenn und wie wir diese Umstände ändern, um mehr im Einklang mit dem Gott zu sein, der stört, um besser auf ihn zu antworten zu können. Drei Tätigkeitswörter kommen mir in den Sinn, und jedes von ihnen kann von jemand angewandt werden, der eine göttliche Störung werden will: identifizieren, hören und sich einsetzen.
IDENTIFIZIEREN: Es ist einfach, mit guten Vorsätzen, die nie im Handeln gründen, durchs Leben zu gehen. Nur wenn wir ernsthaft über „die Armen“ mitten unter uns oder in der Welt nachgedacht haben, werden wir fähig sein, konkret darauf zu antworten. Schließlich ist „die Armen“ eine Formulierung, die sich auf etwas Abstraktes bezieht, eine Kategorie; aber wir können eine Abstraktion oder eine Kategorie nicht lieben, sondern nur echte Menschen. Gott schafft keine Abstraktionen oder „Allgemeinwesen“, sondern nur Personen, einzeln und spezifisch. Wenn wir keine spezifischen Personen im Blick haben, können wir nicht behaupten, dass wir sie lieben. „Verstummte Gruppen“ bezieht sich auf Personen aller sozialen Klassen, die entweder keine Stimme haben oder deren Stimme zum Schweigen gebracht worden ist. Das sind „die Armen“ in unserer Welt und mitten unter uns. Das erste also, was wir tun können, ist einige dieser verstummten Gruppen zu identifizieren – Frauen, Kinder, missbrauchte Menschen, Obdachlose, Fremde, Gefangene usw. Erst dann können wir eine echte Verpflichtung für wirkliche Menschen eingehen.
HÖREN: Sehr oft ruft Jesus Menschen auf, seiner Botschaft zuzuhören. Er tadelt sie, weil sie nicht zuhören, nicht hören und nicht handeln. Ein zentraler Bestandteil der altisraelitischen Definition von „Mensch“ war einfach „Ohren haben“. Das Sh’ ma bzw. der Zuruf für Juden in Deuteronomium 6,4 heißt: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.” Wenn wir nicht hören und nicht zuhören, lieben wir Gott trotz all unseren guten Vorsätze in Wirklichkeit nicht. Wenn wir aber versuchen, Gott zuzuhören, werden wir sicher Gottes Geist sprechen hören – durch „die Armen“, durch die verstummten Gruppen, durch Frauen in der Kirche, durch den Ruf nach christlicher Einheit und einer inklusiven Eucharistie, durch entfremdete Christen, die die institutionelle Kirche ausgeschlossen oder enttäuscht hat. Der Geist spricht - aber hören wir wirklich zu?
SICH EINSETZEN: Was will Gott von uns, von mir? „Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott” (Micha 6,8). Und wie tun wir das? Wir tun es, indem wir uns einsetzen, Zivilcourage haben, “öffentlich auftreten” in einer Welt, die blutet und weint. Jeder/jede von uns kann Wege finden, für Gerechtigkeit einzustehen, uns und unser Leben zu riskieren für Gottes Gerechtigkeit und Gottes Volk. Und jeder/jede von uns ist aufgrund unserer Taufe – um nicht zu sagen, unserer Bindung als Ordensleute – tatsächlich verpflichtet, so zu handeln. Wir sind berufen, zu handeln als Priester (Menschen mit dem Öl der Freude zu salben und ihre Wunden zu verbinden) und als Propheten (mit Kraft die Wahrheit zu sprechen, den stimmlosen oder zum Schweigen gebrachten Menschen beizustehen, die wir kennen oder von denen wir erfahren). Wir sind zu einem Dialog gerufen, einem Dialog des Lebens, in dem wir tatsächlich das vorleben, wovon wir so leicht reden: Barmherzigkeit, Verzeihung, Versöhnung und Liebe. Aber eine Verpflichtung zum Dialog, wie eine Verpflichtung zum priesterlichen und prophetischen Handeln, können wir nur dann eingehen, wenn wir bereit sind, aufzustehen und gesehen zu werden und Menschen zu begegnen, wie Jesus es tat: einem nach dem anderen.
SCHRITTE AUF DEM WEG ZUM JÜNGERSEIN
Die Strategie von Jesus ist, Menschen zu begegnen, um sie zu lieben, um sie zum Glauben zu rufen, sie zu heilen, sie herauszufordern und sie als Jünger auszusenden. Wir können drei Phasen erkennen in diesem Prozess des „Jüngerwerdens“.
RUF/BEGEGNUNG: Manchmal – so wie bei Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes, Matthäus und Zachäus – ruft Jesus einen Menschen ausdrücklich und dramatisch. Andere Male – so wie bei der Frau, die 18 Jahre lang verkrümmt war (Lk 13), der Frau, die ihn im Haus des Simon, des Aussätzigen, salbt (Mk 14), oder dem reichen jungen Mann (Mk 10) – gibt es keinen ausdrücklichen Ruf, aber es gibt Begegnung, und sie muss es geben. Ob also durch einen Ruf oder durch eine Begegnung, und ob die Begegnung von Jesus selber ausgeht oder von einem potentiellen Jünger: die erste Phase auf dem Weg zur Jüngerschaft ist das Zusammenbringen, von Angesicht zu Angesicht, von Jesus und einer anderen Person.
STÖRUNG/VERLAGERUNG: Hier kommt die Stunde der Wahrheit, der Zeitpunkt, wenn der angehende Jünger auf die Probe gestellt wird. Weil Jesus eine störende Präsenz ist, eine Gegenwart, die stört, wird er die Wohlgefälligkeit der Menschen, ihre Pläne und ihr Leben stören. Wird einer ein Jünger, wird sein Leben nie wieder dasselbe sein. Die Störung oder Verlagerung ist die Art und Weise, wie das Leben von Menschen neuorientiert wird. Ab jetzt folgen sie, sie führen nicht, und sie müssen den entscheidenden Unterschied zwischen Initiative und Antwort kennen. Der reiche Mann nahm die Initiative, „und Jesus sah ihn an und liebte ihn.“ Aber Jesus sagte ihm, das ihm „eines“ fehlte – und das Eine war enorm, einfach zu viel für diesen Mann, der die Initiative ergreifen, aber nicht sein Leben radikal gestört haben wollte. Und Jesus erinnerte den engen Kreis seiner Jünger daran: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt” (Joh 15). Diese Worte muss jeder/jede von uns hören und beherzigen.
AUSSENDUNG/MIT-MISSIONIEREN: Die Jüngerschaft ist nur dann vollständig oder voll wirksam mit der Aussendung. Da wir aber nicht dazu ausgesandt werden, um zu tun, was immer wir wollen, sondern den Willen dessen, der uns sendet, sind wir mitgesandt bzw. eingebunden in die Mission Jesu – die eigentlich Gottes eigene Mission ist, denn Jesus selbst sagt: „Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat (mir den Auftrag gegeben hat)“. Die zentrifugale Bewegung von der Mitte zum Rand, von innen nach außen, ist das Herz der Jüngerschaft und ein Gegenmittel zu einer Art „Ich-und-Jesus“-Spiritualität, die das ruhige Leben sucht und die soziale Verantwortung verweigert. Das ist jedoch eine Scheinspiritualität. Sie ist nicht christlich. Eine authentische christliche Spiritualität muss ein missionarisches Element besitzen. Und jeder/jede, der/die sich vornimmt, Jesus zu folgen, muss Seinen Weg gehen, den Weg des Kreuzes. Dies wird immer eine Herausforderung sein, etwas beängstigend und sicher beunruhigend. Jesus selbst ermutigt uns aber, wenn er sagt: „Habt keine Angst; ich habe die Welt überwunden.“
VON RATIONALEN ERWÄGUNGEN WEG HIN ZU FANTASIE UND HOFFNUNG
Viele Menschen guten Willens sind wie gelähmt, wenn es darauf ankommt, voran zu gehen oder auf den Ruf zur Jüngerschaft zu antworten. Manchmal sind wir so rational, dass es uns zum Nachteil wird, und wir werden durch die praktischen Fragen eingeschüchtert: „Wie kann ich das tun?“ (weil ich nicht intelligent genug bin, nicht stark genug, nicht jung genug usw.); oder „Wie kann ich mir das überhaupt leisten?“ (finanziell, zeitlich oder sozialverträglich). Infolgedessen kann es sein, dass wir letztendlich nichts tun. Der einzige Weg ist, in Glauben und Hoffnung voranzugehen und unsere Phantasie und Kreativität einzusetzen. Die Hoffnung ermöglicht dem Glauben eine Zukunft: wenn Glaube unsere Einstellung kennzeichnet heute, ist die Hoffnung unsere Einstellung morgen – aber wir warten nicht bis morgen: wir bringen den Glauben von heute vorwärts, heute, ins Morgen und in jeden Morgen. Was die Phantasie betrifft, die Fähigkeit, mit dem fertig zu werden, was noch nicht geschehen ist: sie ist ein besonderes Charakteristikum der Jugend, die wissbegierig und experimentierfreudig ist und es liebt, Neues auszuprobieren. Die Phantasie vieler Menschen verkümmert im Laufe ihres Lebens, da sie enttäuscht oder bequem werden. Anders als die Vernunft stellt die Phantasie offene Fragen, wozu es keine vorgegebenen Antworten gibt; Fragen wie „Was, wenn...?“ und „Warum nicht?“, „Wie wär’s, wenn ich anders denken und handeln würde?“, „Warum soll man es nicht ausprobieren, andere einladen, es nächstens anders machen, um Hilfe bitten?“ Menschen, die beständig „Was, wenn?“- und „Warum nicht?“-Fragen stellen, entdecken Wege und Mittel, vorwärts zu kommen. Sie werden mit Sicherheit Schwierigkeiten und Störungen begegnen, aber das wird sie nie zurückhalten, denn sie leben in Hoffnung, „der Traum dessen, der wach ruft.“
EINIGE ZITATE ZUM ÜBERDENKEN
„Die Offenheit der Jüngerschaft Jesu und der Jüngerkreise um ihn bis hin zu noch breiteren Kreisen der Jüngerschaft war eine der am meisten aufrüttelnden und herausfordernden Eigenschaften seines ganzen Wirkens.“ (James J.G. Dunn, Jesus Remembered)
„Jüngerschaft ist eine Sache der Phantasie, um kreativ die Strukturansätze der Jesus-Bewegung des ersten Jahrhunderts in neue Zeiten und Orte hinein auszudehnen. Die Christologie beginnt in der Phantasie der Jünger. Manchmal muss unsere Phantasie durch unsere Mitjünger gebildet und geformt werden.“ (Terence Tilley, The Disciples’ Jesus).
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Endnotes:
1. Eine umfangreichere Untersuchung dieses Themas und anderer relevanten Themen enthält mein Buch A Presence That Disturbs: A Call to Radical Discipleship. Liguori, MO. U.S.A.: 2002
Was mag sich wohl so manche/r Generaloberer/in gedacht haben, als mit der Einladung im Dezember 2008 das Thema vorlag: „Zu einer störenden Präsenz in der heutigen Welt werden: in Christus durch Franziskus, Klara ... und Mich!“? Hat das Thema irritiert? Hat es gereizt? War es eine unglückliche Formulierung?
Die Generalversammlung der Internationalen Franziskanischen Konferenz des Regulierten Dritten Ordens (IFC-TOR) fand in „Domus Pacis“ im Herzen Assisis statt, ein Ort, der durch die Fußstapfen des hl. Franziskus und der hl. Klara gesegnet ist. Das Thema der Versammlung wurde sehr begrüßt, denn es ist aktuell. Die Eröffnungsrede des Bischofs von Assisi, Msgr. Sorrentino, war sehr inspirierend.
Wir schätzten die Gebete am Morgen sehr, denn sie waren sehr würdig und bereichernd. Die Lectio Divina brachte uns in Stille zusammen, als wir Dem zuhörten, dessen Wille und Werk wir zu entdecken versuchten. Wir öffneten uns für Gottes Gegenwart, um tiefer in uns selbst hineinzudringen und ihn dort zu finden.
Der inspirierende und herausfordernde Vortrag von P. Anthony J. Gittins, ausgehend von William Wordsworths’ (1770-1850) Gedicht Tintern Abbey, stellte einen direkten Bezug zum Thema der Konferenz her: „Zu einer störenden Präsenz in der heutigen Welt werden: in Christus durch Franziskus, Klara und…Mich“ ...
P. Anthony stellte sein Thema der Versammlung im Rahmen der „Suche nach Sinn“ vor. Die Gabe des neuen Lebens, empfangen vom Heiligen Geist, die Aufgabe des phantasiereichen Apostolats, die Communitas der echten Jüngerschaft und die Radikalität des Wirkens Jesu sind nur einige der Gedanken, die auf der Suche nach einem neuen Verständnis von Jüngerschaft in den Fußstapfen Christi und seines Dieners Franziskus untersucht wurden. Alle Teilnehmer/Teilnehmerinnen waren bewegt und begeistert von Anthonys Vortrag. Und von Anfang an gab das eine besondere Atmosphäre. Dies war kein neuer, doch ein echt franziskanischer Ton.
Schnell waren wir uns einig, dass aufgrund der Übersetzung aus dem Englischen – angelehnt an den Buchtitel von Anthony J. Gittins: “A Presence that Disturbs” – der eigentliche Sinn nicht deutlich heraus kam. Dank des Referats des Autors dieses Buches war dieses Missverständnis schnell aufgehoben, und wir fanden uns mitten drin in unserer Lebenswirklichkeit: Gott stört, Gott rüttelt uns auf, Gott fordert uns heraus. Br. Anthony blieb nicht dabei stehen; er sagt, wenn wir berufen sind, ein Teil von Gottes Plan zu sein, müssen wir mitwirken. Wir müssen bereit sein, uns stören zu lassen, unsere Pläne zurückzustellen, den hilfsbedürftigen Menschen in die Mitte zu stellen (vgl. Bartimäus). Aber nicht nur reaktiv, also wenn uns eine Not, eine Herausforderung den Weg verstellt, sondern auch aktiv: Wir wirken mit am Heilsplan Gottes, wenn wir unaufgefordert einstehen für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, ja wenn wir uns einsetzen für das Leben, vor allem für das bedrohte Leben in seiner ganzen Breite.
Nach der Einleitung und den Vorträgen ging jede Gruppe zum eigenen Gesprächsraum. Das Treffen in Sprachgruppen war auch eine sehr gute Erfahrung. Trotz der Verschiedenheit in der Sprache konnten wir sehr bald die Sprachbarriere durch Grüssen und Lächeln durchbrechen. Die störende Präsenz Gottes war schon in den ersten Momenten bemerkbar, als einige Schwestern mit dem gleichen Ideal und gleicher Spiritualität suchten, in kürzester Zeit, innerhalb von nur ein paar Tagen, eine Fraternität zu schaffen.
Nachdem „das Eis durchbrochen“ war (eigentlich war es sehr warm dort), begannen die Moderatorinnen mit ihrer Aufgabe, uns in unserer Arbeit zu begleiten. Jedes Treffen zeichnete sich durch die Zusammenarbeit aller aus, mit einer Flut von Ideen, Anmerkungen, dem Bemühen, einander zu verstehen und schließlich dem Mitteilen der Gedanken in der ganzen Gruppe. Die Arbeit wurde immer sehr gewissenhaft ausgeführt, ganz gleich, ob die Sache von weniger Bedeutung zu sein schien oder ob es etwas wichtiger war. Wir spürten das Wehen des Heiligen Geistes in unseren Gruppengesprächen und auch in dem, was auf Papier kam am Schluss der Treffen.
Durch die Sprachgruppen suchte die Versammlung das Thema zu reflektieren, weiter zu entwickeln und zu bereichern, um das allgemeine Ziel zu erreichen: nämlich die franziskanische Verpflichtung, in radikaler Jüngerschaft im Auftrag an der Welt heute als störende Präsenz, die Menschen zu Christus führt, wie Franziskus und Klara es lebten, zu stärken oder zu intensivieren. In den Sprachgruppen vertieften wir das Thema, indem wir es mit dem Ordens- und gottgeweihten Leben heute verglichen. Diese Störung muss aus göttlicher Inspiration hervorgehen. Wir spürten, dass wir zuhören müssen, um diese Störung, d.h. die echten Herausforderungen der realen Welt, zu erkennen, zu identifizieren und wirklich zu verstehen, um ihnen mit wirksamen und passenden Mitteln zu begegnen.
Das Treffen in Sprachgruppen war eine sehr gute Erfahrung. Das vorgegebene Thema ließ uns zurück zu den Quellen gehen, zu unserem Ursprung, so dass wir uns der Dynamik des franziskanischen Geistes bewusst wurden. In unserer Reflexion über Christus sahen wir sehr deutlich die Verbindung zwischen dem Thema des Gestört- Werdens, dem Thema, selbst Störer/in zu sein und dem Begriff Diener/Dienerin. In einer Welt voller Lärm, Gewalt und Geld lädt uns Christus ein, ihm und Franziskus und Klara auf dem Weg des Dienens und nicht der Macht zu folgen. Wir erinnerten uns auch, wie wichtig es ist, auf die Regel zurückzugreifen, und unsere Gruppe fand es wichtig, für jeden Tag eine Reflexion aus der Regel vorzuschlagen.
Wir müssen noch erwähnen, dass die kleine Fraternität Teil einer viel größeren ausmachte, die sich langsam bildete, Tag für Tag, in den Fluren, während der Pausen und am gemeinsamen Tisch. Den folgenden Ausdruck hörte man häufig: „Jeder Bruder/jede Schwester ist eine Gabe Gottes.“ In allen Begegnungen spürten wir zutiefst die Wärme der franziskanischen Freude, und das trotz der Sprachbarriere. Wir wünschen uns sehr, dass wir erleben, dass die Einheit zwischen den drei Orden Wirklichkeit wird. Wir fühlen uns alle als aktive Mitglieder dieser franziskanischen Familie, ein Zweig, der sich weit ausgebreitet hat und der beständig in Kirche und Welt wächst.
Wir haben versucht, unsere Phantasie zu gebrauchen und kreativ zu sein; wir haben es gewagt, von einer besseren Welt zu träumen, auch dass wir jene Frauen sind, die zum Evangelisieren berufen sind, um Gottes Traum zur Realität in unserer Welt werden zu lassen; eine gerechte Welt, eine Welt, die die Armen annimmt, die die missbrauchten Frauen schützt, die für die Rechte der Kinder kämpft, die den Kranken beisteht.
Die Treffen im Plenarsaal hatten einen www -Charakter: Ausgestattet mit Head-Sets nahmen wir in den tiefen dunklen Polstersitzen Platz. Die Übersetzerinnen saßen in ihren Kabinen im hinteren Teil des Saales auf der Empore. Ihnen allen gilt auch unser Dank für die tolle Übersetzungsarbeit. Sr. Violet moderierte mit einer Engelsgeduld, bis die letzte Unklarheit beseitigt war und es im Plenum still war.
Das Leitungsteam hatte die Generalversammlung präzise vorbereitet und deren Rechenschaftsberichte über die letzten vier Jahre wurden mit Applaus honoriert.
Für die Einladung von Gastreferenten aus der franziskanischen Familie und für deren Statements bzw. Vorträge möchten wir auch DANKE sagen. Der Eindruck einer ohnehin großen weltweiten Wirkkraft der franziskanischen Spiritualität in den Gemeinschaften des Regulierten Dritten Ordens wurde mit diesen Beiträgen noch intensiviert. Betend sind wir miteinander verbunden.
Assisi zeigte sich in dieser Woche von seiner schönsten Seite: an unserem freien Nachmittag nutzten wir die Zeit, die heiligen Stätten zu besuchen. Rosen säumten den Weg, renovierte Häuser und Straßen, aber auch Baustellen lassen an das schwere Erdbeben vor mehr als zehn Jahren erinnern und bewirken ein Staunen über die Baukunst; ein lang ersehntes „Gelati“ lässt das Herz höher schlagen.
Dem neuen Rat gratulieren wir zu seiner Wahl. Bepackt mit dem Vertrauen der Delegierten und einem Weisungskatalog für die nächsten vier Jahre mögen die Schwestern und Brüder – gestützt mit unserem Gebet - dem Herrn dienen „in Dankbarkeit und großer Demut“. Wir selbst sind eingeladen, als Verantwortliche in unseren Gemeinschaften dem einhellig verabschiedeten Schlussdokument „Geist und Leben“ zu geben.
In der Vollversammlung formulierte die Generalversammlung eine Schlusserklärung, die viele unserer Überzeugungen, Gefühle, Emotionen, Wünsche, Ideen und Erwartungen der Tage in Assisi enthält. Sie geben uns, zusammen mit unseren Schwestern und Brüdern, eine prophetische Aufgabe für die kommenden Jahre. Diese Versammlung brachte uns in der Tat eine störende Herausforderung.
Möge Gott uns helfen, die Dringlichkeit zu sehen, die Herausforderung anzunehmen und diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. „Und wenn ...?“ „Warum nicht...?“
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Aus den Eindrücken und Reflexionen der fünf Sprachgruppen zusammengefasst von Br. Eduard Quint, cfh; Sr. Regina Pröls; Sr. Paulina Aguirre, fhm; Sr. Jessy Augustine Payyapilly; Srs. Marie Simone Boulanger und Marie Catherine Parrotta, frjh.
Gelobt seist Du, o Gott,
für den Ruf zur Kontemplation, Konversion und Glaubwürdigkeit,
der die, die Dich lieben, dahinführt,
sich Deinem Geist zu ergeben
mit Herzen, die zuhören, die warten,
die bereit sind, sich stören zu lassen,
die antworten auf Deinen Ruf, mit Barmherzigkeit
und Mut und Hoffnung zu handeln.
Gelobt seist Du, o Gott,
für die ‚Kleinen’, deren störende Präsenz in Frage stellt
die Rechtfertigungen für das Ansammeln
von soviel Macht, Privileg und Ansehen wie möglich,
dem die Welt so viel Bedeutung zuschreibt
und
das so oft nur auf Kosten der ‚Entbehrlichen’ zustande kommt,
derjenigen, die die Welt missachtet, ausstößt und unsichtbar macht.
Gelobt seist Du, o Gott,
für die, die mit Hingabe
die Franziskanische theologische Tradition leben und ihre potentiellen
‚störenden’ Auswirkungen für Kirche und Gesellschaft entdecken -
denn durch sie wird das Volk Gottes auf der ganzen Welt
von Deiner Güte erfahren,
von der Gabe der Schöpfung,
von der Einmaligkeit und dem Wert jeden Geschöpfes
und
vom großen Mysterium der Menschwerdung,
wozu Du durch die Liebe, nicht durch die Sünde, getrieben wurdest,
ein Gott-mit-uns zu sein.
Gelobt seist Du, o Gott,
für die neuen, kreativen und phantasiereichen Kommunikationsmittel,
die beitragen zu unserem ‚Gestört-Sein’ und unserem ‚Zur-störenden-Präsenz-Werden’,
für die Künste und die Künstler,
für Technologie und Techniker
und für jede Arbeit und jeden Arbeiter, die es uns möglich machen,
besser Deiner Güte, Wahrheit und Schönheit Ausdruck zu verleihen -
damit wir
mehr über Dich entdecken,
Deine Gute Nachricht mehr verkünden,
Deine Schöpfung mehr schützen und pflegen,
in Beziehung stehen mit mehr Schwestern und Brüdern in der ganzen Welt
und besser verstehen ihren Kampf um Gerechtigkeit, ihr Verlangen nach Frieden
und die Wege, die sie gehen,
um eins zu werden mit Dir.
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Aus den Zusammenfassungen und Protokollen der Gespräche
der sieben Sprachgruppen - entworfen von Margaret Eletta Guider, OSF
IFK-TOR Generalversammlung
16.-21. Mai 2009
Der Geist Gottes hat uns, Schwestern und Brüder des Regulierten Dritten Ordens, nach Assisi gebracht, wo wir zusammen die Welt angeschaut haben, wie wir sie heute kennen und erfahren. Uns stört das Ausmaß der sozialen, wirtschaftlichen, kirchlichen, technologischen, politischen und gesetzlichen Herausforderungen, wie auch jener, die unseren Kongregationen begegnen. Es ist unser Wunsch, im Glauben auf diese Herausforderungen zu antworten, indem wir mit Franziskus und Klara den Fußspuren Jesu folgen.
Wir sind berufen, eine „göttliche Störung“ in unserer heutigen Welt zu werden, wie sie uns Jesus in seiner Zeit vorgelebt hat.
ERST- UND WEITERBILDUNG
GFS (Gerechtigkeit Frieden und Bewahrung
der Schöpfung)
Vorschlag: Festlegen von konkreten Wegen wie Brüder und Schwestern eine „störende Präsenz“ angesichts der heutigen Herausforderungen und Krisen sein zu können. Vorschlag: Durch Wort und Tat den Dialog fördern in den Bereichen
Empfehlungen:
Mit den Kongregationen, die sich von der Mitgliedschaft zurückgezogen haben, wieder Kontakt aufnehmen.
Information durch die IFK-TOR an die Mitglieder über den Bedarf an pastoralen Mitarbeiterinnen, die in den „Frontier“-Kommunitäten mit leben.
Weiterhin neue TOR Mitglieder suchen und zur Mitgliedschaft einladen.
Weiterhin daran arbeiten, die ursprünglichen Bruder-Schwester-Beziehungen in der franziskanischen Familie wieder zu erlangen.
P. Pietro Sorci, OFM
Geliebte Brüder und Schwestern, wir haben das Ende dieser intensiven Woche in der Heimat von Franziskus erreicht, nahe beim Ort wo er aus diesem Leben schied, im 800. Jahr der kirchlichen Anerkennung seiner Berufung und Mission, Zeugnis zu geben für den gekreuzigten und auferstandenen Christus.
Wie das Thema Ihrer Versammlung betont, war Franziskus in der Tat „eine herausfordernde und störende Präsenz“ für die Kirche und die Gesellschaft seiner Zeit.
Achthundert Jahre später, durch die Art und Weise wie er Christus ohne Zögerung und ohne Kompromiss annahm und auch durch sein unerschütterliches Vertrauen in der Menschheit, stellt er immer noch eine „herausfordernde und störende Präsenz“ für sowohl Christen als Nicht-Christen dar, trotz der oft herausfordernden Umständen.
Durch seine Demut und Einfachheit, die Ganzhingabe seiner selbst, seine Brüderlichkeit allen gegenüber - Männer und Frauen, groß und klein, arm oder mächtig, Menschen der Kirche oder Nicht-Gläubigen – seine Begegnung mit den Nachfolgern des Islam, seine Hochachtung für Mutter Erde und die ganze Schöpfung – durch all dies führte er allen Gläubigen Jesus Christus sichtbar vor Augen, den fleischgewordenen Sohn Gottes, arm und gekreuzigt, der für uns am Kreuz gestorben ist, damit wir alle Kinder Gottes und seine Brüder und Schwestern werden, und das alles neu geschaffen würde.
Durch sein Leben sagt uns Franziskus, dass wir Jesus vertrauen können; wir können ihn lieben, ihm zuhören und ihm folgen. Sein Evangelium kann heute noch von allen – Männer und Frauen, großen und kleinen, reichen und armen, Weißen und Nicht-Weißen voll und ganz in die Tat umgesetzt werden und zwar, ohne Kompromiss oder Entsagung.
Hier ist echte Freude und echtes Leben. Diesem Weg zu folgen, führt sicher zur Verjüngung der Kirche, zur Erneuerung der Welt, und zum Frieden unter den Menschen.
Im Evangelium haben wir einiges von dem gehört, was Jesus kurz vor seinem Leiden sprach, nachdem er die Füße seiner Junger gewaschen und ihnen in der Eucharistie das ewige Gedenken an sein Pascha gegeben hat: „Eine kurze Zeit und ihr werdet mich nicht mehr sehen, und wieder eine kurze Zeit und ihr werdet mich sehen. Ihr werdet weinen und klagen, während die Welt sich freut; ihr werdet trauern, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.“
Jesus bezieht sich nicht nur auf die Tatsache, dass seine Jünger seine Gegenwart wegen seines baldigen Todes, den sie erleben werden, entbehren werden. Er bezieht sich auch auf die Erfahrung von Zweifel, von Dunkelheit und des Schweigen Gottes, an die alle nachkommenden Jünger - auch wir - teilhaben werden. Er bezieht sich auf den augenscheinlichen Triumph des Bösen, des Hasses und der Gewalt, der Verdunkelung von Gott, den wir gegenwärtig erleben und der so viel Schmerz und Leid verursacht.
Doch dieses Leid, wie das Leiden Jesu, ist eine geheimnisvolle Quelle von Freude und Fruchtbarkeit.
Es ist keine irdische Freude, die gebunden ist an das Erreichen von vergänglichen Werten, an Kenntnis im Dienst der materiellen Interessen, an das Erstreben einer sozialen oder wissenschaftlichen Karriere, an Ruhm, wirtschaftlichen Erfolg oder starke und extreme Erlebnisse.
Um den Übergang von Trauer zur überfließenden Freude auszudrucken, gebraucht Jesus das zarte Bild einer Frau, die bald gebären wird. Ihre Freude ist eine zweifache: ihr Leiden wird bald vorbei sein und ein neues Leben kommt in die Welt.
Missionarisches Leiden ist ein privilegierter Ort kirchlicher Freude, wie es der Apostel Paulus bezeugt, als er von den Juden in Korinth verworfen sich den Heiden zuwandte, wovon viele sich bekehrten: nicht nur viele Korinther baten um die Taufe, sogar Crispus, der Synagogen Vorsteher und seine ganze Familie empfingen die Taufe. Im zweiten Korintherbrief schrieb Paulus, „Meine Freude ist übergroß, umso mehr wegen all unseres Leids.“ (2 Kor 7,4)
Christen, die Zeugnis für Christus ablegen, sein Wort verbreiten und missionarisch tätig sind, erleben sicherlich viel Leid, aber ebenso sicher erleben sie große Freude.
Es ist die Freude, seine Jünger zu sein, zu wissen, dass er immer an unsere Seite steht, auch wenn wir uns verloren vorkommen und wenn wir sündigen; es ist Freude im Wissen, dass unser Leben an ihn und für unsere Brüder und Schwestern hinzugeben, fruchtbar und eine große Ehre ist.
Es ist die Freude, ein neues Leben in die Welt hineinzubringen, neue Bedeutung und Energie an verblassten und starren Leben zu geben, ein Lächeln auf das Gesicht der Hoffnungslosigkeit aufkommen zu sehen. Es ist die Freude, Liebe aufblühen zu sehen, wo es Hass gab, Verzeihung, wo es Beleidigung gab, Einheit und Frieden, wo es Streit gab, Glaube, wo es Zweifel gab, Hoffnung, wo es Verzweiflung gab, Licht, wo Dunkelheit herrschte.
Die Freude, Leben erblühen zu sehen, wo vorher nur Ruinen waren. Das ist das Wunder der Hoffnung, das wir, die Brüder und Schwestern von Franziskus von Assisi nach ihm weiterfördern wollen, zur Ehre Gottes und für das Heil der Welt.
Möge der Herr uns zu Werkzeugen seines Friedens mach.
Assisi, 21. Mai 2009
Disturb us, Lord.
when we are too well please
Disturb us, Lord, when
We are too well pleased with ourselves,
When our dreams have come true
Because we have dreamed too little,
When we arrived safely
Because we sailed too close to the shore.
Disturb us, Lord, when
With the abundance of things we possess
We have lost our thirst
For the waters of life;
Having fallen in love with life,
We have ceased to dream of eternity
And in our efforts to build a new earth,
We have allowed our vision
Of the new heaven to dim.
Disturb us, Lord, to dare more boldly,
To venture on wider seas
Where storms will show your majesty;
Where losing sight of land,
We shall find the stars.
We ask you to push back
The horizons, of our hopes;
And to push into the future
In strength, courage, hope and love.
Attributed – Sir Francis Drake - 1577
(NB. IFC-TOR does not provide the translation of this poem)
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